Call Girl

Die Geschichte der A.

Kinostart: 21.6.2012 | Cosima Grohmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Aleksandra (Nina Ivanišin) ist ein verschlossenes Mädchen. Meistens lugt ihr blasses Gesicht zwischen den langen, strähnigen Haaren unbeteiligt und mürrisch hervor. Und bevor sie sich eine ihrer vielen Zigaretten, die sie am Tag raucht, anzündet, leckt sie in einer schnellen, routinierten Bewegung einmal am Papier entlang – wohl, um das Brennen der Zigarette zu verlängern. Diese kleine Geste sagt viel über die etwa 20-jährige Studentin aus Ljublijana aus: Sie muss sparen, wo sie nur kann, und sie ist cool. Aleksandra ist "die Slowenin", sie führt – fern von der Heimat und ihrem liebevollen Vater Edo – unter diesem Decknamen ein Doppelleben als Callgirl. Selbstbewusst geht sie zu ihren Kunden nach Hause oder aufs Hotelzimmer, ganz allein, ohne einen Zuhälter im Hintergrund, der sie schützt, aber an den sie auch einen Großteil ihres Geldes abgeben müsste. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen wohnt sie in einem schicken Penthouse über den Straßen Ljublijanas, den Kredit zahlt sie mit dem Geld ihrer Freier ab. Doch Aleksandras Coolness bröckelt schnell, als ihr zwei fremde Zuhälter auf die Schliche kommen. Ihnen gefällt es gar nicht, dass ein Mädchen alleine innerhalb ihres Gebiets anschaffen geht. Und auch die vielen Prüfungen an der Uni lassen sich immer weniger gut vor den beiden Kriminellen bestehen.

"Callgirl" zeigt zunächst nachvollziehbar das Leben einer jungen Frau aus Osteuropa und ihrem Bedürfnis, aus der Enge und Armut ihres Elternhauses zu entkommen. Die wortkargen Dialoge, Aleksandras unzugängliches Gesicht und auch die Abgebrühtheit ihren Mitmenschen gegenüber, wenn es darum geht, ihr Doppelleben zu verstecken, zeigen die Härte der Umgebung, in der sich die Studentin behaupten muss. Leider täuscht der grundsätzliche Konflikt einer jungen Frau, die in die Prostitution abrutscht, nicht darüber hinweg, dass die Geschichte an einigen Stellen etwas motivationslos erscheint. Denn auch im reichen Westeuropa können es sich Studentinnen nicht ohne Weiteres leisten, eine Eigentumswohnung abzubezahlen. Aleksandras Scheitern am Ende des Films kann als erhobener Zeigefinger missverstanden werden, kleinere Brötchen zu backen. Die Kritik am Konsumdruck und den übersteigerten Wünschen, die der reiche Westen produziert, werden nur am Rande gestreift. Am Ende singt Aleksandra Frank Zappas "Bobby Brown goes down". Trostloser hätte Regisseur Damjan Kozole seine Protagonistin nicht entlassen können.
Cosima Grohmann

(Slovenka) Slowenien, Deutschland 2009, Regie: Damjan Kozole, Buch: Ognjen Sviličić, Matevž Luzar, Damjan Kozole , mit Nina Ivanišin, Peter Musevski, Primož Pirnat, Maruša Kink, Uroš Fürst, Andrej Murenc u.a., 90 min, Kinostart: 21. Juni 2012 bei farbfilm

Foto: © farbfilm



Mehr Infos zu "Callgirl"

"Slovenka" - die offizielle Filmwebseite (englisch, slowenisch)
Die deutsche Webseite zu "Callgirl"
"Callgirl" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Callgirl" auf filmz.de




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