Die Räuberin

Bleierne Zeit

Kinostart: 21.6.2012 | Kirsten Taylor | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Alles, was Tania will, ist Ruhe und Frieden. Deshalb ist die 43-jährige Künstlerin von München aus in den hohen Norden gefahren, wo das Land platt, der Himmel wolkenverhangen und der Mensch an sich wortkarg ist. Ein altes Bauernhaus ist ihr neues Zuhause, bald gesellt sich auch ein Kätzchen hinzu. Trotzdem macht Tania keinen guten Start im Dorf: Sie grüßt nicht, sie stellt sich den Alteingesessenen nicht vor, sie mäkelt am Brot des Bäckers rum und sie angelt sich den 15-jährigen Thore. Oder umgekehrt. So genau weiß man das nicht. Schon bei ihrer ersten Begegnung früh morgens am Nordseestrand beginnen die beiden ihre Spielchen. Thore grabscht Tanja an den Busen, sie quittiert das mit einem feinen Lächeln. Viele bedeutungsschwere Sätze und tiefe Blicke folgen. Natürlich schlafen sie irgendwann miteinander, aber glücklich macht es sie trotzdem nicht. "Ich kann nichts fühlen", gesteht Tanja dem Jungen, der von dunklen Träumen und Gedanken getrieben ist. Da haben sich zwei gefunden!

In "Die Räuberin" ist alles schwer, alles entfärbt. Wenn man will, kann man sich an den schön fotografierten Landschaften und den ausdrucksstarken Gesichtern von Birge Schade (Tania) und Daniel Michel (Thore) satt sehen. Irgendwann begreift man auch, warum Tania so unbedingt Thore für sich haben will, so ein bisschen Mama und ein bisschen Geliebte für ihn sein will. Und man bekommt eine Ahnung davon, was Thore bei ihr sucht. Bis dahin ist es aber ein recht freudloser Weg und weiterbringen tun einen diese Erkenntnisse auch nicht wirklich. Markus Busch, der bereits mehrfach als Drehbuchautor mit Dominik Graf zusammengearbeitet hat, zeigt in seinem Regiedebüt ein besseres Gespür für Bilder als für die Geschichte. Das Seelenleid seiner beiden Figuren rührt nicht an, vielmehr ist man fast peinlich berührt. Immerhin, der moralische Zeigefinger bleibt schön in der Hosentasche: Dass eine Frau sich offenbar in einen Jungen verguckt, der altersmäßig ihr Sohn sein könnte, ist zwar für die Leute im Dorf ein Problem, nicht aber für den Regisseur und Drehbuchautor.
Kirsten Taylor

Die Räuberin, Deutschland 2011, Buch & Regie: Markus Busch, mit Birge Schade, Daniel Michel, Kai-Ivo Baulitz, Anna Stieblich, Burkhard Schmeer u.a., ab 12, 94 min, Kinostart: 21. Juni 2012 bei déjà vu

Foto: © déjà vu



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