Wagner & Me

Der zweifelnde Fan

Kinostart: 21.6.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Brite Stephen Fry ist Komiker, Autor, Schauspieler und Moderator. Und er ist so entwaffnend sympathisch, dass selbst ausgewiesene Wagner-Hasser ihm bereitwillig nach Bayreuth folgen. Das lohnt sich, denn Frys Liebe zu dem umstrittenen Musiker ist nicht unbelastet. Als Jude hat er selbst Angehörige in Auschwitz verloren und weiß um Wagners Antisemitismus und um einen seiner größten Fans: Adolf Hitler. Kann er die Musik, die er seit frühester Kindheit liebt, trotzdem für sich retten? Fry wagt den Versuch und Filmemacher Patrick McGrady beobachtet ihn bei diesem Abenteuer.

Fry springt hinter die Kulissen von Bayreuth und erklärt, warum die Musik von Wagner seinerzeit so neu und revolutionär war. Nach diesem Muster bietet er dem Zuschauer einen bunten Informations- und Erlebnisparcour: Voll kindlicher Ehrfurcht schlägt er ein paar Töne auf Wagners Klavier an und lässt einen Experten über Wagner-Ouvertüren fachsimpeln. Er reist in die Schweiz, wo sich der Komponist zu seinem Ring-Zyklus inspirieren ließ, und nach Neuschwanstein, Traumschloss von Wagner-Mentor König Ludwig II., und lässt so die Biografie des Musikers lebendig werden. Auch Nürnberg steht auf Frys Liste, die "Stadt der Reichsparteitage", wo zwischen 1935 und 1938 die Aufführung von Wagners "Meistersingern" fester Programmpunkt am Eröffnungstag war. Auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände sinniert Fry darüber, wie der kunstvoll gewebte Teppich von Wagners Werk durch die Nazis und Wagners eigenen Antisemitismus dauerhaft beschmutzt worden ist. Es sind diese Momente, die den Film persönlich und anrührend machen: Wenn er sich freut wie ein Kind, weil er eine Karte für die Festspiele ergattert hat. Oder wenn er im Gespräch mit der Auschwitz-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch nachdenklich wird. Die Cellistin, die im Lager in einem Orchester spielen musste, steht seinem Wagner-Enthusiasmus sichtbar zweifelnd gegenüber. Letztlich schafft Fry es aber doch, Wagner für sich zu retten. Dem Zuschauer haben er und McGrady genügend Eindrücke vermittelt, um ganz eigene Schlüsse zu ziehen. Und amüsant waren sie dabei auch noch – was will man mehr?
Melanie Dorda

Wagner & Me, Dokumentarfilm, Großbritannien 2010, Buch & Regie: Patrick McGrady, mit Stephen Fry u.a., OmU, 89 min, Kinostart: 21. Juni 2012 bei Film Kino Text

Foto: © Film Kino Text



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"Wagner & Me" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
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