Ai Weiwei: Never Sorry

Ich bin meine eigene Marke

Kinostart: 14.6.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Frühere Generationen, heißt es an einer Stelle in Alison Klaymans Dokumentation "Ai Weiwei: Never Sorry", hätten noch für ihre Freiheit kämpfen müssen. Weiwei kämpft heute für mehr Transparenz. Dass Freiheit und Transparenz im Internet-Zeitalter nahezu Synonym benutzt werden können, hat Weiwei durch seine vielen Kunstaktionen in den vergangenen Jahren nachhaltig unter Beweis gestellt. Im August 2009 reiste er in die von einem Erdbeben heimgesuchte Region Sichuan, um eine Erhebung aller getöteten Schulkinder zu machen. Gegen den Widerstand der Behörden erstellte er eine Namensliste, wobei er sich auch eine medienwirksame Beule durch die Polizei einhandelte. Die Installation "So Sorry" mit 9.000 Kinderrucksäcken feierte noch im selben Jahr im Münchner Haus der Kunst Premiere.

Im Westen wird Ai Weiwei, dessen einjähriger politischer Hausarrest in wenigen Tagen endet, vor allem als Aktivist wahrgenommen. Und das, obwohl er einer der Ersten war, der vom chinesichen Kunstboom der 2000er-Jahre profitierte. Seine Mitarbeit am "Vogelnest", dem Olympiastadion von Peking, hat ihm international Aufmerksamkeit beschert – ebenso seine spätere Kritk an dem Bau, den er als reine Propaganda für das totalitäre Regime bezeichnete. Weiwei versteht es, die Medien für sich zu nutzen. Er betreibt einen Blog, twittert und inszeniert sich als Regimekritiker. Die Trennung zwischen Künstler und Aktivisten kann auch Klayman nicht aufheben. Das ist durchaus im Sinne des Künstlers, doch von einem Dokumentarfilm sollte man auch etwas Distanz zu seinem Subjekt erwarten. Die kommt hier zu kurz.

Über seine Kunst spricht Ai Weiwei nur am Rande, als wäre sie nicht mehr als ein Vehikel für seine Botschaft. Ein Wegbegleiter erzählt, dass Weiwei sich etwa Mitte der 1990er-Jahre von der klassischen Kunst abwandte, um sich mehr auf die Probleme der chinesischen Gesellschaft zu konzentrieren. Der Komplexität der Figur Ai Weiwei, der sich ästhetisch viel mit Fragen der Identität und Tradition beschäftigt, wird Klaymans Film durch diese einseitige Sichtweise nur teilweise gerecht. "Ai Weiwei: Never Sorry" ist das Porträt eines extrem charismatischen und weitsichtigen Künstlers, aber es wird auch weiter zu dem Image beitragen, dass Weiwei, wie er im Film zugibt, von sich selbst hat. Als Marke.
Andreas Busche

Ai Weiwei: Never Sorry, Dokumentarfilm, USA 2012, Buch & Regie: Alison Klayman, mit Ai Weiwei, Ai Dan, He Yunchang, Ai Lao, Hsieh Tehching u.a., OmU, 91 min, Kinostart: 14. Juni 2012 bei DCM

Foto: © DCM



Mehr Infos zu "Ai Weiwei: Never Sorry"

"Ai Weiwei: Never Sorry" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Ai Weiwei: Never Sorry"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Ai Weiwei: Never Sorry" auf filmz.de
FilmTipp von Vision Kino




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