West is West

Back To the Roots

Kinostart: 14.6.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"West is West" ist undenkbar ohne "East is East". Die britische Ethno-Komödie aus dem Jahr 1999, eine der ersten ihrer Art, war ein typisches Produkt der optimistischen New-Labour-Ära und hat für das Zusammenleben der Kulturen wahrscheinlich mehr getan als alle Politiker zusammen. Im Zentrum des Films stand der verzweifelte Patriarch George Khan (Om Puri), dem es einfach nicht gelingt, seine Familie auf ihre pakistanischen Wurzeln zu besinnen. Seine rundum glückliche Ehe mit der resoluten Britin Ella (Linda Bassett) macht ihn auch zum denkbar schlechtesten Vorbild. Lokalisiert war Damien O'Donnells Erfolg im Salford des Jahres 1971, aber das war damals noch gar nicht so lange her.

Die Fortsetzung folgt nun mit zwölf Jahren Verspätung. Man schreibt das Jahr 1976, und was die Probleme von Daddy George angeht, hat sich rein gar nichts getan. Nun ist es sein jüngster Sohn Sajid (Aqib Khan), der gerade eine pakistanisch-britische Identitätskrise durchlebt. Von seinen rassistischen Mitschülern gemobbt, will er vom Land seiner Vorväter nichts mehr wissen. "Mein Sohn weiß nicht, wer er ist", jammert George und schleppt den kleinen Briten umgehend nach Pakistan, um ihm dort eine Frau zu finden. Stattdessen findet er seine eigene, erste Frau (Ila Arun), die er vor dreißig Jahren hat sitzen lassen. Er muss erfahren, dass man einem solchen Mann misstraut und Sajid schon deshalb nichts zu befürchten braucht. Und schließlich kommt auch Ella in die alte Heimat ihres Mannes, um die längst überfällige Familie wieder einzusammeln. Das gibt eine Überraschung!

Wer von "West is West" einen weiteren Komödienknaller erwartet, sieht sich allerdings getäuscht. Mit exotischen Landschaftsaufnahmen und einem großartigen Darstellerensemble tut der neue Regisseur Andy De Emmony zwar alles, um den Ortswechsel schmackhaft zu machen. Im Zentrum seines Films steht jedoch ein Konflikt, den nicht mal eine Komödie aus der Welt schaffen kann: Georges erste Ehefrau hat dreißig Jahre allein verbracht und in dieser Zeit ein Leben verpasst. Und damit beginnt ein anderer, wichtigerer Film. Man bekommt eine Ahnung davon, welch tragische Geschichten hinter einem einfachen Wort wie Migration stecken. Es gibt ein zutiefst berührendes Gespräch der beiden betrogenen Ehefrauen, in dem sie einander verstehen, ohne dieselbe Sprache zu sprechen. Aber die Komödie bricht unter dieser Last zusammen. Zu viele Gespräche, zu viel Sentimentalität; die Scherze um den anpassungsunwilligen Sajid passen nicht mehr ins Bild. Ist das nur ein handwerkliches Problem? Geradezu spiegelbildlich erscheint dieses Sequel als Produkt einer pessimistischen Ära, die auf die Probleme der Zeit keine Antwort mehr weiß. Ein deprimierender Gedanke: Vielleicht ist tatsächlich der Nachfolger einer der ersten Ethno-Komödien zugleich eine der letzten Komödien dieser Art.
Philipp Bühler

West is West, Großbritannien 2010, Regie: Andy De Emmony, Buch: Ayub Khan-Din, mit Om Puri, Linda Bassett, Aqib Khan, Emil Marwa, Jimi Mistry, Lesley Nicol o.A., ab 6, 102 min, Kinostart: 14. Juni 2012 bei Kool

Foto: © Kool



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