Amador und Marcelas Rosen

Leben und Sterben in Madrid

Kinostart: 7.6.2012 | Melanie Dorda | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Marcela will aus ihrer engen Wohnung am Stadtrand von Madrid und ihrer Beziehung fliehen. Doch an der Bushaltestelle wird sie bewusstlos und erfährt im Krankenhaus, dass sie schwanger ist. Schicksalsergeben schleicht sie zurück in ihr perspektivloses Leben mit Nelson. Der schlägt sich als Blumenschwarzhändler durch und hofft, eines Tages einen richtigen Blumenladen zu eröffnen, der "Marcelas Rosen" heißen soll. Bis dahin ist Sparen angesagt. Meist fehlt sogar das Geld für die Miete, darum kommt eine Familiengründung für ihn vorerst nicht in Frage. Als sie einen neuen Kühlschrank zum Frischhalten der Rosen brauchen, überredet Nelson Marcela, eine Stelle als Pflegerin anzunehmen. Bald kümmert sie sich um den bettlägerigen Amador, dessen Tochter keine Zeit für ihn hat, weil sie mit Hausbau beschäftigt ist. Der alte Mann spricht zunächst kein Wort mit Marcela, verschmäht ihr Essen, widmet sich nur seinem Puzzle. Erst nach einigen Tagen fangen sie an, sich zu unterhalten: über den Himmel, das Meer, Telenovelas, Meerjungfrauen und Marcelas Schwangerschaft. Gerade als sie sich auf eine etwas nüchterne Art anfreunden, stirbt Amador – und Marcela trifft eine Entscheidung, die sie schwer belastet ...

"Amador und Marcelas Rosen" ist ein melancholisches Märchen, das nicht nach der Glaubwürdigkeit des Plots fragt, aber äußerst realistisch Milieus schildert und die psychische Entwicklung der Hauptfigur Marcela nachzeichnet. Der Film nimmt sich viel Zeit, um seine Geschichte zu entfalten und jede Gefühlsregung in Großaufnahme von Marcelas Gesicht abzulesen. Seine Grundaussage ist ebenso zynisch wie optimistisch: Aus finanziellen Gründen werden Tabus gebrochen. Aber dank des subtilen, makaberen Humors und erfrischend pragmatischer Figuren wie der alternden Prostituierten Yolanda wirkt er niemals kalt, menschenverachtend oder moralinsauer. Zwar ist "Amador und Marcelas Rosen" nicht so eindringlich erzählt wie "Princesas", der auch von Filmemacher Fernando León de Aranoas stammt, aber beide eint der treffende und liebevolle Blick für das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft, insbesondere das der Frauen.
Melanie Dorda

(Amador) Spanien 2010, Buch & Regie: Fernando León de Aranoa, mit Magaly Solier, Celso Bugallo, Pietro Sibille, Sonia Almarcha, Juan Alberto de Burgos u.a., ab 6, 110 min, Kinostart: 7. Juni 2012 bei Alamode

Foto: © Alamode



Mehr Infos zu "Amador und Marcelas Rosen"

"Amador" - die offizielle Filmwebseite (spanisch)
Die deutsche Webseite zu "Amador und Marcelas Rosen"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Amador und Marcelas Rosen" auf filmz.de




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