Deutschland von oben

Luftbilder

Kinostart: 7.6.2012 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wer schon einmal beim Landeanflug auf seine Stadt aus dem Flugzeug geschaut hat, kennt das Phänomen. Von oben betrachtet sieht alles anders aus: Orte und Landschaften ergeben Muster und Strukturen, bekannte Orte erscheinen fremd. So war der Erfolg der Fernsehreihe "Deutschland von oben" des ZDF eigentlich vorprogrammiert. Von Sylt bis in die Alpen – alles aus der Vogelperspektive. Über 300 Stunden Material wurden mit diversen Spezialkameras für die Terra-X-Serie gedreht. Nur ein Bruchteil davon war im Fernsehen zu sehen. Schade um das Material, dachte man sich wahrscheinlich, und angeregt durch den Erfolg der Kinoversion der BBC-Reihe "Unsere Erde" war der Schritt auf die große Leinwand nur folgerichtig.

Dramaturgische Klammer der Dokumentation von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus sind die Kalendermonate. Gleich zu Anfang gleitet die Kamera im Januar über die schneebedeckten Gipfel der Alpen und beobachtet die wenigen noch dort lebenden Steinböcke bei ihrem Überlebenskampf. Danach versuchen Eisbrecher im Hamburger Hafen, den sibirischen Wetterverhältnissen zu trotzen, und im Ruhrgebiet beginnt nach einem blutroten Sonnenuntergang die Nachtschicht in den übrig gebliebenen Stahlwerken. Man ist um Gleichgewicht zwischen Natur und menschengemachten Phänomenen bemüht. Auf die Kirschbaumblüte in Baden folgen der Braunkohletagebau in der Lausitz und ostfriesische Windräder; auf Seeadler im Wendland Bilder vom Staudamm am Chiemsee oder von Extrem-Fallschirmspringern.

Der Film zeigt viele wunderschöne Facetten Deutschlands, aber eben nicht alle. Alt-Bundesbürgern wird das Fehlen manch ostdeutscher Landstriche kaum auffallen. Auch die Historie wird nicht ausgespart. So weisen moderne Stadtpläne immer noch Spuren der ursprünglichen römischen Besiedlung oder der Bomberangriffe des Zweiten Weltkriegs auf. Insgesamt ist jedoch Süddeutschland überproportional vertreten, was unter anderem am Standort des ZDF in Mainz liegen mag oder auch an der angestrebten internationalen Vermarktung des Films. Nur so lassen sich auch der mitunter nervtötende Soundtrack und der äußerst betuliche Kommentar erklären. Die Bilder aus allen nur möglichen Kameraperspektiven beeindrucken aber, vor allem, wenn dazu noch Computeranimationen beispielsweise die Routen von Zugvögeln oder der Jagdgebiete Sylter Kegelrobben illustrieren. Auch wenn der Film das vollmundige Versprechen seines Titels nicht einlöst, spektakulär und ungewöhnlich sind die Aufnahmen allemal.
Ingrid Beerbaum

Deutschland von oben, Dokumentarfilm, Deutschland 2012, Buch & Regie: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus, o.A., 110 min, Kinostart: 7. Juni 2012 bei Universum

Foto: © Universum



Mehr Infos zu "Deutschland von oben"

"Deutschland von oben" - die offizielle Filmwebseite
"Deutschland von oben" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Deutschland von oben" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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