Buck - Der wahre Pferdeflüsterer

Mit Zuckerbrot und ohne Peitsche

Kinostart: 31.5.2012 | Tim Slagman | Kommentar schreiben | Artikel drucken

2011 gewann die Dokumentarfilmerin Cindy Meehl den Publikumspreis beim legendären Independent-Festival von Sundance – und tatsächlich erzählt sie in "Buck" eine Geschichte, die tief in der Mythologie der USA verwurzelt ist und womöglich auch die verwundete Seele dieses Landes beschreiben kann. Denn dieser Buck Brannaman, der das reale Vorbild für den "Pferdeflüsterer" in Nicholas Evans' Roman und Robert Redfords Verfilmung war, steht fest zu seiner Überzeugung, die der Film sich denn auch weitgehend unkritisch zu eigen macht: Das Pferd eines Menschen ist der Spiegel seiner Seele. So kann nur jemand sprechen, dem die Urfigur des Cowboys als Mittler zwischen Land und Zivilisation, zwischen Natur und Ökonomie, wohlbekannt ist. Und der selbst weiß, wie es ist, Verletzungen zu erleiden.

Buck und sein Bruder Smokie wurden von ihrem Vater früh zu Rodeo-Shows mitgeschleppt. Die beiden Jungen wurden zu Zirkuspferden auf zwei Beinen. Bei Widerworten oder angeblich mangelnder Leistung griff der Vater zum Gürtel, zur Peitsche oder gleich zur Bratpfanne. In ihrer ruhig komponierten Dokumentation greift Cindy Meehl diese Parallele immer wieder auf, in Gesprächen mit Buck, seiner Familie, Freunden und Teilnehmern an seinen Trainingseinheiten lässt sie sich ihre Grundthese bestätigen.

Dennoch hat ihr Film nichts Redundantes oder Predigendes an sich. Was wesentlich an dem Protagonisten liegt, der zwar in der Arena durchaus zur witzelnden Rampensau werden kann, dem man aber bei jedem Satz im Interview eine leise Zurückhaltung anmerkt, mehr als nur einen Nachhall seiner früheren Schüchternheit. Mit Pferden, so wird es deutlich, konnte er schon immer besser als mit Menschen.

Wahrscheinlich sind deshalb auch die Szenen am interessantesten, in denen die Kamera Bucks Seminare, die "clinics", beobachtet, die ein ländliches, staubiges, dabei gar nicht mal unsympathisches Amerika wie aus dem Bilderbuch beschwören. Wenn Buck erklärt, wie der Zug am Führungsseil richtig zu dosieren ist und warum den Tieren der Aufstieg des Reiters oft nicht behagt – an denselben Stellen ihres Körpers würde ein Raubtier zum Angriff ansetzen – sind Brannaman und Meehl im Zentrum ihrer jeweiligen Arbeit angelagt.
Tim Slagman

(Buck) Dokumentarfilm, USA 2011, Buch & Regie: Cindy Meehl, mit Buck Brannaman, Robert Redford u.a., ab 6, 88 min, Kinostart: 31. Mai 2012 bei NFP

Foto: © NFP



Mehr Infos zu "Buck - Der wahre Pferdeflüsterer"

"Buck" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "Buck - Der wahre Pferdeflüsterer"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Buck - Der wahre Pferdeflüsterer" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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