Janosch - Komm, wir finden einen Schatz!

Entschleunigung pur

Kinostart: 24.5.2012 | Tim Slagman | Kommentare (1) | Kommentar schreiben | Artikel drucken

In unserer reizüberfluteten Zeit sind die Kinogeschichten nach Janosch geradezu so etwas wie ästhetischer Widerstand: bunt, langsam erzählt und mit einer Reihe niedlicher tierischer Protagonisten, die nicht die allegorische Last der klassischen Fabeln mit sich tragen müssen. Die einzige kleine Anbiederung an den Zeitgeist mag sein, dass "Janosch - Komm, wir finden einen Schatz!" sich nun auch in einigen Kinos in der dritten Dimension präsentiert.

Die Sinnhaftigkeit dieser Neuerung sei dahingestellt, zumal sich sonst wenig Revolutionäres getan hat im Janosch-Kosmos. So zielt auch der dritte Film nach der Kinderbuchtrilogie um Tiger und Bär auf ein sehr junges Publikum, das die Kinosozialisation noch vor sich hat. Dementsprechend strukturiert sich die Geschichte um lange Einzelszenen, aus denen sich ohne Hast und mit verblüffender Entschleunigung allmählich eine Handlung herausschält, die durchaus Haken schlägt und ihren Zuschauern auch parallele Erzählstränge zumutet.

Da gibt es natürlich Tiger und Bär, die durch ein pastellbuntes Wunderland lustwandeln, begleitet von dem bisweilen etwas anstrengenden Hasen Jochen Gummibär, der sich nichts sehnlicher wünscht als ein paar Freunde. Ihr Ziel ist ein mysteriöser Schatz, und den Weg dorthin verzeichnet eine wunderbar altmodische Karte. Durch zahlreiche Verwicklungen allerdings reißt diese nicht nur in zwei Teile, sondern die jeweiligen Bruchstücke wechseln im Laufe der Geschichte auch mehrfach den Besitzer. Zu den Konkurrenten des Trios (mit Tigerente, versteht sich) werden dabei der latent aggressive Hund Kurt und der selbsternannte Meisterdetektiv Gokatz, die sich auf eigene Faust auf die Jagd nach den Reichtümern machen und dabei mit Gokatzens Gefährt den lauschigen Wald und die blühenden Wiesen ein ums andere Mal aufschrecken.

Dennoch kommt es erst gegen Ende tatsächlich zu so etwas wie Action-Sequenzen, wenn die Suche alle Beteiligten zu einem Schiffswrack in einer bizarren Eiswüste führt. Und dass dieses Ende ein gutes sein wird, darf sicher verraten werden. Immerhin befinden wir uns in einem kindgerecht optimistischen Kosmos, in dem man sich nicht aufmacht, einen Schatz zu "suchen", sondern um ihn zu "finden". Einen sympathischen Anachronismus hat Irina Probost da inszeniert, der äußerst stur ein klar umrissenes Zielpublikum im Sinn hat und sich mit erzählerischen oder ästhetischen Angeboten an Jugendliche und Erwachsene deutlich zurückhält.
Tim Slagman

Janosch - Komm, wir finden einen Schatz!, Animationsfilm, Deutschland 2012, Regie: Irina Probost, Buch: Nana Meyer, o.A., 75 min, Kinostart: 24. Mai 2012 bei MFA+

Foto: © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K./Papa Löwe Filmproduktion GmbH



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Kommentare

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Was bisher geschah...

Für Kinder einfach toll

Mein 5-jähriger Sohn fand den Film klasse! Er war das allererste Mal im Kino und hat sich bei mir überschwenglich dafür bedankt, dass ich ihm für sein "erstes Mal" einen so supertollen Film ausgesucht hatte. Ein wenig Kritik aus der Sicht eines Erwachsenen: Den Film haben wir nur im 2D-Format sehen können. Ich merkte deutlich, dass der Film auf 3D optimiert war. Manche Details stachen in 2D nicht vernünftig heraus und gingen teils farblich unter. Aber das sind Nebensächlichkeiten. Vielmehr fand ich schade, dass die Landschaften zwar wunderschön gezeichnet waren, die Figuren in ihrer Mimik und Gestik jedoch sehr hölzern wirkten. Die Gags zündeten nicht allesamt; das Publikum im Saal (größtenteils Kinder, ist ja klar) lachte nur bei den offensichtlichen Gags (leichter Fäkalhumor und Slapstick wirken scheinbar immer!). Die Story wies zwar keine Logikfehler auf, doch hätte ich mir gewünscht, dass die Erkenntnis, die Jochen Gummibär, als er kopfüber gehalten wird, etwas deutlicher (und anhand der Schatzkarte) dargestellt wird. Ich habe die Sache nicht wirklich durchschauen können, da die Schatzkarte als Ganzes selten und nur kurz gezeigt wird. Die Synchronstimmen sind im Großen und Ganzen gut. Elton als Hund Kurt ist echt klasse, auch wenn er eine knurrigere oder kehligere Stimme hätte hinlegen können. Michael Schanze als Bär klingt etwas zu sanft und kindlich. Aber man gewöhnt sich dran. Der Soundtrack ist richtig gut! Ich habe alles erwartet, nur keine mit echtem (und ziemlich großen!) Orchester eingespielte Filmmusik. Eindeutig ein dicker Pluspunkt. Aus der Sicht eines Kindes: Der Film ist zum Großteil gemütlich. Die weichen Szenen-Blenden sind für Kindergartenkinder ideal: gedanklich Luft holen, auf eine neue Szene gefasst sein. Gut gemacht! Die Charaktere sind kindgerecht entwickelt. Die Gegner von Tiger und Bär sind charmant großkotzig und gleichermaßen schusselig bei der Sache, so dass keine wirkliche Antipathie entstehen kann. Schön ist die Story, auch wenn sie vom ursprünglichen Janosch-Buch in keiner Hinsicht entspricht. Von Janosch sind die Hauptcharaktere, das war's. Ist aber nicht schlimm. Die Geschichte ist für Kinder reizvoll. Schatzsuche, Piratenschiff, wer schafft es zuerst, den Schatz zu bekommen? - das Hauptgerüst ist simpel, keineswegs neu, aber absolut solide. Was den Charme ausmacht, ist Jochen Gummibärs Suche nach Freunden und die generelle Frage, wann es Zeit ist, jemandem mal zu vertrauen oder im Gegenteil auch mal Sachen zu hinterfragen und Hinterlist zu entlarven. Dass zum Schluss keiner was vom Schatz hat, dennoch alle irgendwie Gewinner sind, bringt eine schöne Moral in die Sache. Fazit: Sehr empfehlenswert für Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren. Ältere Geschwister dürften ebenfalls Spaß haben und auch Erwachsene sollten keine Langeweile bekommen. Kurzweilig und charmant - den Kindern gefällt es sehr. Zu Recht!

Pepe | 4. Juni 2012   21:40

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