Sharayet - Eine Liebe in Teheran

Verbotene Gefühle

Kinostart: 24.5.2012 | Jarek Godlewski | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die Regie-Newcomerin Maryam Keshavarz hüllt ihr Publikum gleich in der Einstiegsszene in Sinnlichkeit ein: fernöstlicher Gesang, Bauchtanz, Zigarettendunst und ein koketter Blickwechsel zwischen der Tänzerin und einer jungen Frau. Der glühende Leitfaden ist gespannt. Doch der Filmtitel "Sharayet - Eine Liebe in Teheran" lässt bereits erahnen, welche Konflikte dieses gleichgeschlechtliche Knistern mit sich bringen kann. Die aus dem Iran stammende US-amerikanische Regisseurin erzählt von der Liebe zwischen den 16-jährigen Schülerinnen Atafeh und Shireen im heutigen Iran. Eine Beziehung, die sich zwischen frivolem Partyleben, Homosexualität und trotz der strengen Vorsätze des fundamental regierten Landes entwickelt. Im Schutz ihres liberalen und wohlhabenden Elternhauses kann Atafeh anfänglich trotz Sittenpolizei und strenger öffentlicher Vorschriften ihre Leidenschaften halbwegs ausleben. Erst als ihr Bruder Mehran von einem Drogenentzug heimkehrt und immer mehr dem religiösen Fundamentalismus verfällt, gerät diese Lebensweise zum Drahtseilakt. Zudem fängt Mehran selbst an, Shirin zu begehren, und kommt schließlich dem Liebesverhältnis der beiden Frauen auf die Spur. Er will Shirin als Ehefrau gewinnen und intrigiert deshalb so geschickt, dass er die liberale Familie zum Spielball der religiösen Führer macht und ihrer Würde beraubt. So muss sich selbst Atafehs integrer Vater der geistlichen Obrigkeit unterwerfen und im eigenen Haus religiösen Zwängen gehorchen. Als Mehran schließlich Shireen heiratet, bleibt der hilflosen Atafeh nur noch eine Hintertür offen.

"Sharayet - Eine Liebe in Teheran" ist keine iranische, der Zensur unterworfene, Produktion und erlaubt sich alle Freiheiten der Inszenierung. Das ist einerseits visuell verführerisch, anderseits fehlt es an der ausgefeilten Parabelhaftigkeit, die man vom iranischen Kino gewohnt ist. So mischt die Regisseurin zwar geschickt Videoclipelemente mit sehr ästhetischen Kammerspielszenen, schafft es aber nicht, den Zuschauer zu überraschen. Stattdessen erzählt sie sehr konventionell und linear. Ereignisse wie Razzien oder Verhöre werden stereotyp dargestellt und sind als Wendepunkte vorhersehbar. Die drei Hauptfiguren sind dramaturgisch zu gleichwertig gewichtet, so dass sich kaum eine tiefere emotionale Beziehung zu ihnen entwickeln lässt. Maryam Keshavarz hat in ihrem Debüt zu viele brisante Aspekte des iranischen Alltags mit zu vielen extremen Lebenseinstellungen verwoben, wodurch der Film an Authentizität verliert. Und so gelingt ihr nur ein oberflächlicher Blick von außen auf die komplexe persische Gesellschaft.
Jarek Godlewski

(Circumstance) USA, Frankreich, Iran 2011, Buch & Regie: Maryam Keshavarz, mit Nikohl Boosheri, Sarah Kazemy, Reza Sixo Safai, Soheil Parsa, Nasrin Pakkho u.a., OmU, ab 12, 105 min, Kinostart: 24. Mai 2012 bei Salzgeber

Foto: © Salzgeber



Mehr Infos zu "Sharayet - Eine Liebe in Teheran"

"I Want to Run" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Sharayet - Eine Liebe in Teheran" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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