Die Kunst zu lieben

Champagner und Toastbrot

Kinostart: 17.5.2012 | Tim Slagman | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Paris, die Stadt der Liebe – wem käme dieses Klischee nicht in den Sinn, wenn er hört, dass Emmanuel Mouret seinen Episodenfilm um die Nöte und das aufgeschobene Glück einer Handvoll Singles und Paare ausgerechnet an diesem so eindeutig vorbelasteten Ort angesiedelt hat? Und auch der Prolog von "Die Kunst zu lieben", wahrlich kein bescheidener Titel, erzählt fast nur über die Melodie und eine Montage von Großaufnahmen von der ganz bestimmten Musik, die jeder Verliebte höre – und von einem Komponisten, dem dieses Glück bislang verwehrt blieb.

Doch nur musikalisch setzt diese Eröffnung den Ton für den Rest des Films, der mit Brahms, Schubert, Mozart die Sorgen und Verwirrungen seiner Figuren spielerisch charakterisiert. Ansonsten hat Mouret seine Geschichte sehr frei strukturiert, greift in späteren Episoden Handlungsstränge der vorigen auf, lässt die Menschen einander in neuen Konstellationen wieder begegnen, lässt einen Konflikt in eine Lösung münden – oder auch nicht. François Cluzet, der in dem sagenhaft erfolgreichen "Ziemlich beste Freunde" noch an den Rollstuhl gefesselt war, spielt den charmanten Gentleman Achille, der sich mit seiner attraktiven, aber unberechenbaren Nachbarin (Frédérique Bel) abmüht. Mal ist Achille der frisch Getrennten zu stürmisch, dann wieder zu zurückhaltend – so beginnt ein Reigen amüsanter Komplikationen, die wie Zwischenspiele die anderen Episoden voneinander trennen.

Etwa Amélies (Judith Godrèche) Dilemma, deren bester Freund Boris (Laurent Stocker) gerne mehr von ihr möchte. Oder die Geschichte von Vanessa (Élodie Navarre) und William (Gaspard Ulliel), die einander die totale Ehrlichkeit versprochen haben und an einem im Voraus angekündigten Seitensprung trotzdem beinahe zu zerbrechen drohen. Oder die Not von Isabelle (Julie Depardieu), die sich nach einem Jahr ohne Sex auf einen seltsam klingenden Vorschlag von Amélie einlässt.

Mouret unterläuft die Erwartungen, die seine Auswahl des Filmtitels, des Settings und manch postkartenhaften Bildes von Notre Dame, Champagner und krossen Toastbroten geweckt haben mögen, und erzählt stilistisch souverän, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit und mit feinem, leisem Humor ein paar Geschichten, die sich so oder ein wenig anders überall auf der Welt zutragen könnten.
Tim Slagman

(L'art d'aimer) Frankreich 2011, Buch & Regie: Emmanuel Mouret, mit François Cluzet, Julie Depardieu, Ariane Ascaride, Pascale Arbillot, Frédérique Bel u.a., o.A., 88 min, Kinostart: 17. Mai 2012 bei Camino

Foto: © Camino



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