Kill Me Please

Komm, süßer Tod!

Kinostart: 17.5.2012 | Marguerite Seidel | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Selbstmord ist meist eine dreckige Angelegenheit. Man stirbt einsam, mit aufgeschnittenen Pulsadern, an selbst gemixten Medikamentencocktails, beim Sturz in die Tiefe oder, oder, oder. In der Klinik von Dr. Kruger, die irgendwo in irgendeinem Land liegt, läuft das anders: Hier wird ärztlich betreut und staatlich subventioniert in den Freitod gegangen. Ohne Blutvergießen, ohne Schmerzen, in Würde. Aber wer hat wirklich einen Grund zu sterben und wer nicht? Wie will es der Patient am liebsten haben und was davon wird tatsächlich umgesetzt? Über diese Fragen entscheidet allein der Doktor, und lange bevor es richtig haarig wird in diesem kleinen, fiesen Film aus Belgien bricht schon in der ersten Szene der Aberwitz aus, der in diesen Fragen mitschwingt.

Demanet, gespielt von Benoît Poelvoorde, der seit Jahren das belgische und französische Kino mit großartig grotesken Charakteren belebt, ist ein berühmter Regisseur und will unbedingt sterben. Dr. Kruger verwehrt ihm jedoch diese Leistung, da sein Krebs im Endstadium bloß vorgetäuscht ist und sich hinter Demanets Todessehnsucht "nur" Liebeskummer verbirgt. Demanet, nervös, kettenrauchend, verzweifelt, legt also selbst Hand an. Sein blutiges Ende ist der Vorbote einer langen absurden Sterbeserie, in der so gut wie gar nichts nach Plan läuft. Schwarzhumoriger Horror regiert von nun an den Plot des Films.

In streng geometrisch geordneten Schwarz-Weiß-Landschaften wird eine sonderbare Figur nach der anderen umkommen oder eben nicht, während dem Doktor mehr und mehr die Zügel entgleiten. Das hat durchaus etwas Gesellschaftskritisches, kam dem Regisseur Olias Barco doch die Idee zu "Kill Me Please", als er vom umstrittenen Schweizer Sterbehilfeverein Dignitas hörte. So schneidet der Film eine Reihe ethischer Fragen an, vom Problem, wer eigentlich über die Sterbenswürdigkeit eines Menschen befindet, bis hin zum Geschäft, das sich damit machen lässt.

In erster Linie ist der Film allerdings boshaft, amüsant und abstrus. Frei von Genrekorsetts oder anderen altgedienten Erzählformeln hat Olias Barco mithilfe von tollen Schauspielern ein paar unheimliche Gedanken auf die Spitze getrieben, mit einer anarchischen Komik, die an das französische Regieduo Gustave de Kervern und Benoît Delépine erinnert, zuletzt mit "Mammuth" im Kino. Der Flop seines ersten Films "Snowboarder" (2003), der Olias Barco angeblich fast selbst in den Selbstmord getrieben hätte, dürfte mit diesem eigenwilligen Machwerk verwunden sein.
Marguerite Seidel

Kill Me Please, Frankreich, Belgien 2010, Regie: Olias Barco, Buch: Olias Barco, Virgile Bramly, Stéphane Malandrin, mit Aurélien Recoing, Virgile Bramly, Daniel Cohen, Virginie Efira, Bouli Lanners, Saul Rubinek, Zazie de Paris u.a., schwarz-weiß, OmU, ab 16, 95 min, Kinostart: 17. Mai 2012 bei Neue Visionen

Foto: © Neue Visionen



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