Lachsfischen im Jemen

Im Trüben gefischt

Kinostart: 17.5.2012 | Tim Slagman | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ein steinreicher Scheich und Angel-Freak will auf Teufel komm raus einen Fischereigrund in seinem staubtrockenen Heimatland einrichten. Ein verknöcherter Sesselpupser in einer britischen Behörde ist der Einzige, der ihm dabei helfen könnte. Und die knallhart-zynische PR-Schreckschraube des Premierministers wittert einen Publicity-Stunt: Endlich einmal gute Nachrichten aus dem Nahen Osten, und die Briten sind dabei!

Lasse Hallströms Romanverfilmung "Lachsfischen im Jemen" hätte eine feine, böse Satire werden können, wenn er sich auf dieses Handlungsgerüst konzentriert und es mit mehr als nur einer Handvoll bissiger Ideen angereichert hätte. Aber letztlich wollen er und sein Autor Simon Beaufoy, der für die Adaption von "Slumdog Millionär" einen Oscar® gewann, zu viel und geraten in, dies Wortspiel sei erlaubt, recht klebrig-kitschige und klischeehafte Fahrwasser. Denn Dr. Alfed Jones (Ewan McGregor), der Sesselpupser, steckt in einer höchst spießbürgerlichen Ehe fest und lernt erst allmählich, sich dem Abenteuer zu öffnen – und womöglich auch seiner Mitstreiterin Harriet (Emily Blunt), einer Art Projektmanagerin des Scheichs (Amr Waked). Für den ist das Fischen eine Glaubensangelegenheit, eine meditative Reinigung des Geistes. Die Fundamentalisten setzen trotzdem alles daran, diese angebliche Verwestlichung ihrer Natur zu sabotieren. Harriet liebt einen Soldaten, der nach Afghanistan eingezogen wird und dort verschwindet. Und so weiter.

Irgendwo zwischen all diesen Problemfeldern und dem sichtbaren Willen, trotzdem eine Hollywood-typische Geschichte vom Erfolg "against all odds" zu erzählen, geht die Stringenz des Plots unrettbar verloren. Hallström hat keine Bilder für Arabien, die nicht aus dem einen oder anderen Vorurteil geboren wären, und keine rechte Vorstellung davon, wie er all seine diskursiven Fäden zusammenführen soll. So bleibt "Lachsfischen im Jemen" ein Triumph der Darsteller, von denen vor allem Kristin Scott Thomas das eingangs vorgestellte Typenkabinett zu absurden Höhen führt. Als mediengeile Sprecherin des Premiers gelingt ihr die schwierige Balance, einen eindimensionalen, vollkommen vorhersehbaren Charakter mit Witz und Energie zu füllen – und so in seiner Oberflächlichkeit zu entlarven.
Tim Slagman

(Salmon Fishing in the Yemen) Großbritannien 2011, Regie: Lasse Hallström, Buch: Simon Beaufoy nach dem gleichnamigen Roman von Paul Torday, mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Rachael Stirling u.a., ab 6, 108 min, Kinostart: 17. Mai 2012 bei Concorde

Foto: © 2012 Concorde Filmverleih GmbH



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