Our Idiot Brother

Ned und wie er die Welt sieht

Kinostart: 17.5.2012 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Er meint es doch nur gut. Deshalb verkauft er einem Polizisten in Uniform Marihuana, weil der ihm glaubhaft versichert, er stehe unter Stress. Dafür wandert er naturgemäß in den Knast. Als er wieder herauskommt, hat seine Freundin zwischenzeitlich Ersatz gefunden, setzt ihn kurzerhand vor die Tür und behält sogar den Hund. Heimatlos wendet er sich hilfesuchend an seine drei Schwestern – und bringt sodann deren Leben durcheinander. Und zwar gründlich.

Ned Rochlin, das große Kind, von dem hier die Rede ist, Titelheld von Jesse Peretz' harmlos-unterhaltsamer Komödie "Our Idiot Brother", ist ein naiver Trottel. Etwas weniger böse formuliert: Ein leichtgläubiger, argloser, gutmütiger Kerl, der an die Menschheit glaubt. Am Beispiel dieses Idealisten wird durchexerziert, was passiert, wenn einer tatsächlich aufrichtig und ehrlich durch die Welt und durchs Leben geht. Wie weit man also in der Wirklichkeit mit der Wahrheit kommt, nach der beständig alle rufen.

Ein schönes Thema. Nur leider etwas allzu bieder umgesetzt. Auch die gelungene Besetzung von Paul Rudd als bärtigem Hippie sowie Emily Mortimer, Elizabeth Banks und Zooey Deschanel in den Rollen der Schwestern Liz, Miranda und Natalie ändert nichts am Umstand, dass die dramaturgischen Wendungen der Geschichte meilenweit vorherzusehen sind. Ned fungiert als Katalysator; und mögen die Schwestern noch so sehr sich sträuben, zicken und zetern, wenn ihr Idiotenbruder ihre Lebenslügen aufdeckt und ihre gemütlichen Nester in Unordnung bringt, am Ende gewinnen sie doch Freiheit, Glück und/oder Liebe – und Ned bekommt sogar den Hund zurück.

Zusätzlich schmerzt, dass zwar Paul Rudd seiner Figur Farbe, Dimension und so etwas wie Komplexität verleihen darf, das gleiche Recht der weiters versammelten, durchweg liebenswürdigen Schauspielerschaft jedoch nicht eingeräumt wird. Im Vergleich zu Ned bleibt der Rest des Personals im Stadium der Karikatur stecken, schlicht, weil den Darstellern nicht der Raum zugestanden wird, aus ohnehin groben Vorgaben so etwas wie einen Charakter zu entwickeln. Indem "Our Idiot Brother" seine Figuren nicht ernster nimmt als Vektoren in einer nach vergleichsweise niedrigen, ins Klamaukige reichenden Komödienstandards verlaufenden Handlung, verrät der Film sein Thema und damit letztlich auch sich selbst.
Alexandra Seitz

Our Idiot Brother, USA 2011, Regie: Jesse Peretz, Buch: Evgenia Peretz, David Schisgall, mit Paul Rudd, Elizabeth Banks, Zooey Deschanel, Emily Mortimer, Steve Coogan, Hugh Dancy u.a., o.A., 90 min, Kinostart: 17. Mai 2012 bei Senator

Foto: © Senator Film Verleih



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