21 Jump Street

Cops in der Highschool

Kinostart: 10.5.2012 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Auf das Image, das "21 Jump Street" ihm einst bescherte, war Johnny Depp alles andere als erpicht: In einer der Hauptrollen der TV-Serie, in der sich junge Polizisten in Highschools einschleusten, um undercover Straftaten auf die Schliche zu kommen, wurde er zum schnuckeligen Teenie-Idol. 1989 stieg er deshalb nach der dritten Staffel aus und entfernte sich fortan mit seiner Rollenauswahl weit weg von seinem Posterboy-Status. Nun kehrt Depp entgegen aller Erwartungen doch noch einmal in die "21 Jump Street" zurück. Kaum erkennbar taucht er in der Kinowiederbelebung der Serie an der Seite seines damaligen Partners Peter DeLuise für einen spaßigen Cameo-Auftritt auf.

Die kriminalistische Feldarbeit wird einem neuen Duo überlassen: Der eine ist Jonah Hill, der unter anderem als "Superbad"-Dickerchen bekannt wurde. Der andere ist Channing Tatum, dessen Muskelkörper und kantiges Gesicht in Filmen wie "Fighting" von seinem starren Monomimik-Spiel ablenkten. In "21 Jump Street" haben beide sichtbar ihren Spaß als ungleiches Polizistenduo Schmidt und Jenko. Gemeinsam ist ihnen darin lediglich, dass sie an die Highschool strafversetzt werden, weil sie gleich zu Anfang des Films in der grotesken Parodie einer Verfolgungsjagd ein paar Drogendealer entwischen lassen haben.

Auch später, wenn sie als Schüler getarnt ihren Spezialauftrag verfolgen, wollen sie einem Drogenring auf die Schliche kommen, der die Teenager mit Stoff versorgt. Dieser ziemlich gewöhnliche Krimi-Handlungsstrang ist allerdings der uninteressanteste. Während zwischen dem dicklichen Nerd und dem etwas tumben Schönling langsam eine "bromance" entsteht, funktioniert "21 Jump Street" vielmehr als Highschool-Film, in dem die zwei Polizisten Jahre nach ihrer Schulzeit erfahren müssen, wer und was mittlerweile cool ist und wie sich die Verhältnisse zwischen Nerds und Schönlingen verkehrt haben. Außerdem hat sich nun im Vergleich zur Serienvorlage der Tonfall verändert. Die späte Verlagerung ins Kino findet schließlich als Krimi-Teen-Komödie mit parodistischen Zügen und viel erfrischend (selbst-)referentieller Ironie statt.

Die Frage, warum eine alte Serie, an die man sich ohne Depp wahrscheinlich kaum noch erinnern würde, nach über 20 Jahren fürs Kino verarbeitet wird, wird dabei – im Hinblick auf den Film selbst, aber auch auf Hollywoods oft einfallslose Serien-Reboot-Praxis – entsprechend kommentiert. "Mit diesem Programm recyceln sie die Scheiße aus den 80ern und denken, dass es niemand bemerkt", sagt Ice Cube in einer Szene als schnodderiger Chef über das neu aufgelegte Highschool-Polizei-Programm. Entgegen der Erwartungen ist das Recycling von "21 Jump Street" allerdings geglückt. Und das nicht nur auf sehr unterhaltsame Weise, sondern manchmal auch überraschend clever.
Sascha Rettig

21 Jump Street, USA 2012, Regie: Phil Lord, Chris Miller, Buch: Michael Bacall, mit Jonah Hill, Channing Tatum, Brie Larson, Dave Franco, Rob Riggle, Ice Cube u.a., ab 12, 109 min, Kinostart: 3. Mai 2012 bei Sony Pictures

Foto: © 2012 Sony Pictures Releasing GmbH



Mehr Infos zu "21 Jump Street"

"21 Jump Street" - die offizielle Filmwebseite (englisch)
Die deutsche Webseite zu "21 Jump Street"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "21 Jump Street" auf filmz.de





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