50/50 Freunde fürs (Über)leben

Kumpel mit Krebs

Kinostart: 3.5.2012 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Welche Chancen gibt man einer Komödie über Krebs? Über solche Dinge muss sich Adam Lerner (Joseph Gordon-Lewis) keine Gedanken mehr machen. Mit erst 27 Jahren hat ihn die Krankheit voll erwischt, und das ist überhaupt nicht lustig: Die Chancen, dass er den Tumor an seiner Wirbelsäule überlebt, stehen fünfzig zu fünfzig. Sein Freund Kyle (Seth Rogen) meint, dass sei eine bessere Quote als im Casino, aber Kyle glaubt auch, dass so ein bisschen Krebs die Chancen bei den Frauen erhöht. Schließlich ist er nicht gezwungen, seine Tage in Wartezimmern zu verbringen, zu Therapiezwecken schreckliche New-Age-Musik zu hören und jede Minute mit dem Schlimmsten zu rechnen. Er hat, mit anderen Worten, keine Ahnung. Aber er ist ein echter Freund, wie man ihn in solchen Situationen braucht.

In "50/50 Freunde fürs Überleben" ist zuweilen unklar, wem hier eigentlich die Show gehört. Das ist Stärke wie Schwäche des Films, der aus guten Gründen weniger von der Krankheit selbst erzählen will als vom Umgang mit ihr. Hinter Kyles launigem Opportunismus verbirgt sich die nackte Unsicherheit. So ähnlich geht es allen, die auf Adams neuen Zustand irgendwie reagieren müssen, und genau damit trifft die Komödie den richtigen Ton. Ein feines Gespür für den Ernst der Situation kennzeichnet nicht nur die erwartbaren Szenen, in denen Adam Freundin und Familie die erschütternde Diagnose beibringt oder auf Partys mit peinlichem Mitleid konfrontiert wird. Gerade die haarsträubenden Albernheiten eines typischen Buddy-Movies haben hier ihre ureigene Würde. Was zum Beispiel hindert einen angehenden Chemo-Patienten daran, sich mit dem Schamhaartrimmer des besten Freundes schon mal den Kopf zu rasieren? Adam hat wahrlich andere Probleme.

Das Drehbuch des ehemaligen Krebspatienten Will Reiser beruht auf eigener leidvoller Erfahrung und dem offensichtlichen Einfluss von Seth Rogen, der dem Freund seinerzeit beistand. Ein paar Ideen aus dem ebenfalls von Rogen produzierten Komödienhit "Beim ersten Mal" wurden – sind Schwangerschaft und Krebs nicht irgendwie ganz ähnlich? – munter übernommen; die Frauenrollen, vor allem von Anjelica Huston als egozentrischer Mutter und Bryce Dallas Howard als zickiger Freundin, sind wie üblich undankbar. Am Ende aber hat man eine gelungene und tatsächlich berührende Tragikomödie, die sogar zwischen gutem und schlechtem Ausgang wählen kann, ohne sich selbst zu verraten. Die Chancen dafür waren, ganz ehrlich, miserabel.
Philipp Bühler

(50/50) USA 2011, Regie: Jonathan Levine, Buch: Will Reiser, mit Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anna Kendrick, Bryce Dallas Howard, Anjelica Huston u.a., ab 12, 100 min, Kinostart: 3. Mai 2012 bei Universum

Foto: © Universum Film



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