Bar25 - Tage außerhalb der Zeit

Grau sind die anderen

Kinostart: 3.5.2012 | Christian Horn | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die Bar25 am Spreeufer war bis zu ihrer Schließung im Herbst 2010 eine der beliebtesten Berliner Party-Locations. An der betont verspielten Clublandschaft mit zugehörigem Restaurant, einem kulturellen Rahmenprogramm und den oft tagelangen, exzessiven Elektro-Parties kam im Grunde kein Szenegänger vorbei. Mit einem durchweg subjektiv gefärbten Blick kommt nun der Dokumentarfilm "Bar25 - Tage außerhalb der Zeit" daher. Das Regiedebüt von Britta Mischer und Nana Yuriko nimmt die behördlich erzwungene Schließung des Clubs, der im Zuge des Mediaspree-Bauprojekts dem Bau von Bürogebäuden weichen musste, zum Anlass für eine Hommage an die vormaligen Betreiber und das freie und individualistische Lebensgefühl, das die Bar25 auszeichnete.

Der Großteil des Dokumentarfilms verweilt auf dem ehemaligen Clubgelände der Bar25 und taucht mit stilbewussten HD-Bildern, die über einen Zeitraum von sechs Jahren entstanden sind, in das dortige Treiben ein. Auf diese Weise vermitteln die Regisseurinnen auf sehr plastische Weise ein Gefühl für die auf Spaß und maximale Freiheit ausgerichtete Atmosphäre, die in der Bar25 herrschte und das Stammpublikum magisch in ihren Bann zog. Kurze Interviews mit einigen Gästen und den Betreibern, die zum Teil in Wohnwagen direkt am Spreeufer residierten, liefern punktuelle Einsichten in den Mikrokosmos der Berliner Nachtschwärmer, die sich bewusst von der "grauen Außenwelt" abgrenzen.

Ebenjene Außenwelt bricht im Verlauf des Films jedoch unerbittlich in den Zufluchtsort ein: So stürmt in einer Szene eine Polizeimannschaft das Gelände und konfisziert wegen einer Lärmbeschwerde die Boxen, bevor die Kündigungsschreiben der Vermieter unter den Leitern des Clubs für Verzweiflung sorgen und stellvertretend für die fortschreitende Gentrifizierung in den verschiedenen Berliner Stadtbezirken stehen. Anfängliche Versuche, das Ende des Clubbetriebs mit diversen Behördengängen abzuwenden, schlagen jedoch fehl, so dass die Bar25 nach mehreren Abschiedspartys endgültig ihre Türen schließen musste. Seiner uneingeschränkten Sympathie für die Lebensentwürfe der Betreiber und Besucher entsprechend, begleitet "Bar25 - Tage außerhalb der Zeit" die Räumung des Geländes mit einem nostalgischen Tonfall, dem man in Anbetracht der vorangegangenen Bilder voller Ausgelassenheit und Lebensfreude beipflichten möchte.
Christian Horn

Bar25 - Tage außerhalb der Zeit, Dokumentarfilm, Deutschland 2012, Buch & Regie: Britta Mischer, Nana Yuriko, 95 min, Kinostart: 3. Mai 2012 bei Movienet

Foto: © Movienet/Hanna Rix



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