Raising Resistance

Kampf der Bohne

Kinostart: 3.5.2012 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Soja, könnte man denken, ist doch nur eine Bohne. Doch das täuscht. "Soja ist ein Geschenk des Himmels", sagt der Soja-Farmer. "Soja ist wie eine Bombe, sie zerstört unsere Lebensgrundlage", meint dagegen der Kleinbauer. Und auch Fernando Lugo Mendez, der Präsident Paraguays, hat eine Meinung: "Der Sojaanbau hat einen hohen gesellschaftlichen Preis."

Diesen gesellschaftlichen Preis versucht "Raising Resistance" zu beziffern. David Bernet und Bettina Borgfeld haben sich für ihren Dokumentarfilm nach Paraguay aufgemacht, wo der Anbau von genmanipuliertem Soja nicht nur die Grundlagen der Campesinos, der Kleinbauern, zerstört, sondern auch die Umwelt verschmutzt und den Menschen krank macht. "Alles stirbt", lobt der Bio-Ingenieur sein Unkrautvernichtungsmittel, "alles außer dem transgenen Soja."

Aber "Raising Resistance" lässt nicht nur die Betroffenen zu Wort kommen, sondern findet für die gewaltigen Umbrüche auch unglaublich schöne, bisweilen sogar allzu schöne Bilder: magere Ziegen vor Palmen, endlose Sojafelder vor gewaltigem Wolkenhimmel, protestierende Bauern im Sonnenuntergang. Die Ernte der Sojabohnen, der Ritt der Mähdrescher über staubige Felder wird zum ästhetischen Erlebnis. Selbst das Elend der ehemaligen Campesinos, die nun an den Rändern der Großstädten als Tagelöhner leben, fängt der Film ein in Tableaus von berückender Schönheit. Aber in die wundervollen Ansichten von sauber abgezirkelten Feldern, auf denen außer genmanipuliertem Soja gar nichts mehr wächst, werden bedrückende Fakten eingeblendet: "Südamerikanische Sojafelder entsprechen heute der Europäischen Union."

Das wollen sich die Betroffenen nicht länger gefallen lassen. Die Campesinos besetzen Felder, sie demonstrieren in der Hauptstadt, sie fordern ihr Recht. Einer ihrer Anführer lädt vor der Kamera seinen Trommelrevolver mit Patronen: "Es herrscht Krieg." Ein Krieg, der auch für uns geführt wird. Denn früher lebten die Campesinos auf ihrem eigenen kleinen Stück Land in Subsistenzwirtschaft. Heute wird auf demselben Land in riesigen Monokulturen Soja angebaut, das vor allem als Futter dient für die Fleischerzeugung, also schlussendlich nur die Bedürfnisse der Konsumenten in Europa und Asien befriedigt. Um bis zu 500 Prozent, verrät eine der Einblendungen, ist der Aktienkurs jener multinationalen Konzerne gestiegen, die ihr Geschäft mit Soja machen. In diesem globalen Markt ist auch der mittelständische Soja-Pflanzer ein armes Schwein, wird gedrückt von Schulden und Hypotheken, ein Opfer des Systems, das schließlich dafür sorgt, dass Soja unter Polizeischutz ausgesät werden muss. Ganz schön viel Aufwand für eine Bohne.
Thomas Winkler

Raising Resistance, Dokumentarfilm, Deutschland, Schweiz 2011, Regie: Bettina Borgfeld, David Bernet, Buch: Bettina Borgfeld, David Bernet, Christin Stoltz, mit Geronimo Arevalos, Juana Gonzalez, Antonio Cabrera, Clemente Busanello u.a., OmU, o.A., 84 min, Kinostart: 3. Mai 2012 bei Pandora

Foto: © Pandora Film Verleih



Mehr Infos zu "Raising Resistance"

"Raising Resistance" - die offizielle Filmwebseite (englisch, deutsch)
"Raising Resistance" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Raising Resistance" auf filmz.de





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