The First Rasta

The Big Gong

Kinostart: 26.4.2012 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ein Rasta? Das ist doch so ein Typ mit völlig verfilzten Haaren, der ständig bekifft ist und andauernd Reggae hört? Ja, so falsch ist das nicht. Aber eigentlich ist ein Rasta ein Anhänger einer Sekte, die in den 1930er-Jahren auf Jamaika entstanden ist. Ein Prediger namens Leonard Percival Howell war es, der aus Bibelstellen, Elementen örtlicher Naturreligionen, Befreiungsideologie und ein wenig Marxismus-Leninismus die Rastafari-Religion zusammenzimmerte und so zu "The First Rasta" wurde.

Die französische Filmemacherin Hélène Lee und ihr Co-Regisseur Christophe Farnarier haben sich auf die Spuren des "Gong" genannten Religionsgründers begeben und sind dabei auf ein großes Problem gestoßen. Es gibt keine Filmaufnahmen von Howell, nur wenige Fotografien und auch nicht allzu viele Fakten. Also rekonstruieren sie sein Leben durch Aussagen von Zeitzeugen, befragen Reggae-Musiker wie Max Romeo oder die ehemalige Sekretärin von Howell. Sie lassen einen von Howells Söhnen die Überreste der Landkommune zeigen, in der die ersten Rastas lebten, und ehemalige Bewohner jenes frühen Hippie-Dorfes von den alten Zeiten schwärmen.

Allerdings hat das Regie-Duo nicht wirklich eine Dokumentation gedreht, sondern eher einen Propaganda-Film. Mit geschichtlichen Fakten nehmen sie es nicht so genau, Jahreszahlen fehlen fast völlig und historische Einordnungen bleiben schwammig. Ja, Lee und Farnarier versäumen es sogar zu erklären, wie Howell zu seinem Ehrennamen "Gong" kam. Vor allem aber wird Rastafari vollkommen unkritisch dargestellt: Dass in der mittlerweile in verschiedene Sekten aufgespaltenen Glaubensrichtung homophobe, antisemitische und frauenfeindliche Vorstellungen weit verbreitet sind, findet "The First Rasta" nicht weiter der Erwähnung wert.

Tatsächlich erfährt man in "The First Rasta" kaum etwas über Jamaika, Rastafari und Leonard Howell, aber dafür viel über die Filmemacher. Die beiden leiden offensichtlich an dem in der so genannten "Ersten Welt" immer noch weit verbreiteten positiven Rassismus: Für sie ist der Rasta ein edler Wilder, der sich gegen die koloniale Besatzung wehrt. Dass dabei manches schief läuft, ist nicht nur entschuldbar, sondern darf erst gar nicht kritisiert werden. Rastafari ist für sie eine durchweg positive Erfolgsgeschichte und der Schlüssel zur Rettung der Welt. Bis dahin wird aber wohl noch der eine oder andere Joint durchgezogen werden müssen.
Thomas Winkler

(Le premier rasta) Dokumentarfilm, Frankreich 2010, Regie: Hélène Lee, Christophe Farnarier, Buch: Hélène Lee, mit Max Romeo, Bernard Satta Collins, Bro Royer, Filmore Alvaranga u.a., OmU, 91 min, Kinostart: 26. April 2012 bei Neue Visionen

Foto: © Neue Visionen



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