Chronicle - Wozu bist du fähig?

Die Einsamkeit des Superhelden

Kinostart: 19.4.2012 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Mit großen Kräften geht eine große Verantwortung einher", heißt es bei Voltaire und Spider-Man. Was aber, wenn die Kräfte in den Händen von pubertierenden Jugendlichen liegen, die mit der Verantwortung nichts Sinnvolles anzufangen wissen? Josh Tranks Regiedebüt "Chronicle - Wozu bist du fähig?" nähert sich mit ungewöhnlichem Realismus dem Superhelden-Genre, denn in der Highschool ist soziale Zugehörigkeit die einzige Superkraft, die wirklich zählt. Andrew hat sich dieses Wissen noch nicht angeeignet. In der Schule ist er ein Außenseiter, und zu Hause bricht gerade eine Welt zusammen: Seine Mutter liegt im Sterben. Da hilft nur Distanz. Andrew schnappt sich also eine Kamera und beginnt seine Umwelt zu filmen. Dann entdecken er, sein Cousin Matt und Steve, der angehende Schulsprecher, in einem Erdloch im Wald eine blau schimmernde Substanz. Die unheimliche Begegnung der dritten Art wird ihre Leben verändern. Andrew, Matt und Steve entwickeln übermenschliche Fähigkeiten.

Das Handkamera-Genre musste in der Vergangenheit oft genug als Entschuldigung dafür herhalten, dass dem Drehbuchschreiber keine gute Geschichte eingefallen ist. "Chronicle" dagegen hätte diesen Gimmick gar nicht nötig gehabt. Das liegt vor allem an der Chemie der drei Hauptdarsteller, die eine natürliche Präsenz in den Film einbringen. Ihre neugewonnenen Fähigkeiten beunruhigen die Jungen zunächst nicht weiter. Auf dem Sportplatz erschrecken sie die Cheerleader-Mädchen, vor dem Supermarkt parken sie heimlich Autos um. Alles ist "cool", ein bisschen wie in "Jackass". Uncool wird es, als Andrew in einem Wutanfall einen anderen Wagen von der Straße drängt. Matt und Steve beginnen zu realisieren, dass sich Andrews adoleszente Verwirrung und Superheldenkräfte nicht gut vertragen.

Josh Trank und sein Auor Max Landis, beide in ihren Zwanzigern, haben mit "Chronicle" ein beachtliches Debüt mit guten Special Effects hingelegt. Hätten sie bloß auf die Handkamera verzichtet. Wenn Andrew ganz allein über der Erde schwebt, während um ihn herum Blitze zucken, verrät dieses Bild eigentlich schon alles über die Einsamkeit des Superhelden.
Andreas Busche

(Chronicle) Großbritannien, USA 2012, Regie: Josh Trank, Buch: Max Landis, mit Michael B. Jordan, Alex Russell, Dane DeHaan, Michael Kelly, Ashley Hinshaw, Anna Wood u.a., ab 12, 84 min, Kinostart: 19. April 2012 bei 20th Century Fox

Foto: © 2012 Twentieth Century Fox



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