Safe House

Wasserspiele für harte Jungs

Kinostart: 23.2.2012 | Jörn Hetebrügge | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Schöner Mist. Da heuert man bei der CIA an, um sich als ganzer Kerl zu beweisen. Und dann erwartet einen ein besserer Hausmeisterjob. Frustrierend für den ehrgeizigen Matt (Ryan Reynolds), der im krisenfernen Kapstadt über ein "Safe House" zu wachen hat. So heißen die streng geheimen Auslandsdependancen, die die CIA offenbar an jedem noch so entlegenen Winkel der Erde unterhält. Doch dann schlägt für den jungen Geheimdienstler unverhofft die Stunde der Bewährung, als sich Superverbrecher Tobin Frost (Denzel Washington) in der südafrikanischen Millionenstadt die Ehre gibt. Nach einem brisanten Deal von wild herumballernden Gangstern gejagt, rettet sich der Ex-CIA-Agent ausgerechnet ins US-Konsulat – wohl wissend, dass seine alten Brötchengeber nichts Besseres im Sinn haben, als ihn im örtlichen Safe House nach allen Regeln der Folterkunst auszuquetschen. Kaum aber haben die Verhörexperten ihr Werk begonnen, stürmt ein feindliches Kommando den Unterschlupf. Matt gelingt es zwar, mit dem Gefangenen zu flüchten. Seine Probleme fangen damit jedoch erst richtig an. Denn einerseits hat das Greenhorn mit Frost nun einen mit allen Wassern gewaschenen Profi am Hals. Zum anderen dämmert ihm, dass es in der CIA eine undichte Stelle geben muss, durch die die Existenz des Safe House nach draußen gesickert ist.

Ein bisschen erinnert die Situation des Protagonisten an die seines Regisseurs. Denn auch für den schwedischen Newcomer Daniél Espinosa war "Safe House" die große Chance – der erste Hollywood-Film, nachdem er zuvor mit dem Thriller "Easy Money" auf sich aufmerksam gemacht hatte. Und zumindest zur Hälfte hat der 34-Jährige den Härtetest im Big-Business bestanden. Die spektakulären Actionsequenzen lassen jedenfalls erahnen, dass Espinosa die Jason-Bourne-Filme penibel studiert hat. Allerdings zeigt der Vergleich auch, dass ein bloßer Mix der richtigen Zutaten noch lange keinen "Bourne" macht. Zwar lassen einem die exzessiv bewegte Handkamera, der atemlose Schnitt und die Stunts die Zeit im Kinosessel nicht allzu lang werden. Letztlich aber liefert Espinosa nicht mehr als ein erstaunlich routiniertes Gesellenstück ab: Eher aufgeregtes als aufregendes Genrekino, dem es – lässt man einmal den ungewöhnlichen Schauplatz beiseite – an Originalität mangelt.

Eklatant indes, wie wenig Espinosa mit so fabelhaften Schauspielern wie Vera Farmiga, Brendan Gleeson oder Sam Shepard anzufangen weiß. Umso mehr wird "Safe House" zu einer Bühne für Denzel Washington, der neben dem unscheinbaren Helden einen aufdringlichen Auftritt als schillernder Bad Boy hinlegt – was in einer ärgerlichen Szene gipfelt: Dass Waterboarding als gängige Praxis der CIA gezeigt wird, mag man als verdienstvoll empfinden oder nicht. Wenn Denzel Washington aber in seiner Rolle den Anschein erweckt, es sei eine Frage der Professionalität, diese Folter zu überstehen, dann ist das eine schwer erträgliche Verharmlosung.
Jörn Hetebrügge

Safe House, USA, Südafrika 2012, Regie: Daniél Espinosa, Buch: David Guggenheim, mit Denzel Washington, Ryan Reynolds, Vera Farmiga, Sam Shepard, Joel Kinnaman u.a., ab 16, 115 min, Kinostart: 23. Februar 2012 bei Universal

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "Safe House"

Die offizielle englische Filmwebseite
Die deutsche Webseite zu "Safe House"
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