Der Ruf der Wale

Märchen im Eis

Kinostart: 16.2.2012 | Susanne Sitzler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Kaum ein Tier ist solch ein Sympathieträger wie der Wal. Und so verwundert es kaum, dass sich 1988 plötzlich die halbe Welt – Amerikaner und Sowjets, Greenpeace und die Arbeiter einer Ölfirma, die Ureinwohner Alaskas und selbst die Nationalgarde der USA – zusammenschlossen und sich ins Zeug legten, um drei vor der Küste Alaskas im Eis eingeschlossene Grauwale vor dem Tod zu retten. Die Rettungsaktion entfachte einen Medienhype und Fernsehteams aus der ganzen Welt überrannten den bis dato völlig unbekannten Küstenort Barrow am nördlichsten Zipfel der USA auf der Jagd nach der besten Wal-Story.

"Der Ruf der Wale" basiert auf dieser wahren Geschichte, die der Journalist Thomas Rose, damals live vor Ort, später in seinem Buch "Freeing the Whales" niederschrieb. Es trägt übrigens den bezeichnenden Untertitel: "How the Media Created the World's Greatest Non-Event". Die Hollywood-Produktion hat die Ereignisse für den Film natürlich verdichtet und ausgeschmückt: Die Liebesbeziehung etwa zwischen dem TV-Reporter Adam (John Krasinski) und der Umweltaktivistin Rachel (Drew Barrymore) hat es so nie gegeben. Barrymores Figur Rachel wiederum ist keine Fiktion: Sie steht im Film für Cindy Lowry, die damals tatsächlich bei Greenpeace Alaska arbeitete und bei der Rettungsaktion eine wichtige Rolle spielte.

Das Drama im Eis erzählt "Der Ruf der Wale" in beeindruckenden Bildern, stringent und unterhaltsam und macht so aus dem Überlebenskampf dreier Wale ein Feel-Good-Movie für die ganze Familie, das einen nicht unberührt lässt. Aus welchen Gründen und mit welchen Hintergedanken die Allianz der Retter geschmiedet wird, ist außerdem fein beobachtet. Denn inmitten des Kalten Krieges kommt die Publicity fördernde Aktion der Regierung des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan gerade recht, um ihr Image ein wenig aufzupolieren. Und auch die sensationshungrige Presse bekommt ihr Fett ab: Für sie ist das Schicksal der Wale nicht mehr als ein Schlagzeile, die verkauft werden kann.

Zu dick aufgetragen hat man dann allerdings beim großen Finale, das mit Macht und unausweichlich in Form eines riesigen sowjetischen Eisbrechers näher kommt. Wenn der letztendlich die Küste rammt, um den Weg in den Pazifik frei zu machen, sind die Wale – und auch wir Zuschauer – erlöst.
Susanne Sitzler

(Big Miracle) USA 2012, Regie: Ken Kwapis, Buch: Jack Amiel, Michael Begler nach dem Sachbuch "Freeing the Whales" von Thomas Rose, mit Drew Barrymore, John Krasinski, Kristen Bell, Dermot Mulroney, Tim Blake Nelson, Vinessa Shaw u.a., 107 min, Kinostart: 16. Februar 2012 bei Universal

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "Der Ruf der Wale"

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