Yoko

Zottelfreund aus Tibet

Kinostart: 16.2.2012 | Christian Horn | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der herzlose Wilderer Van Sneider verschleppt einen kleinen Yeti von Tibet nach Deutschland, ohne das zusätzliche Frachtgut zu bemerken, denn das Fabeltier kann sich bei Bedarf unsichtbar machen. Sprechen kann der eisbärige Geselle zwar nicht (er sagt nur ab und zu "jo jo"), dafür ist er aber ganz schön weise und flieht aus Senders illegalem Gehege. Der Zufall führt den Flüchtling in das Baumhaus der kleinen Pia (Jamie Bick), die ihn ohne Umschweife adoptiert und auf den Namen Yoko tauft. In Gefahr geraten beide, weil der böse Jäger den Yeti sucht, um ihn an den zwielichtigen Zoodirektor Kellerman zu verhökern, der die zoologische Sensation gerne in seiner Sammlung hätte.

Regisseurin Franziska Buch ("Hier kommt Lola!") erzählt diese Geschichte, die auf einer Kinderbuch-Reihe von Knister basiert, nach Schema F und ohne große Überraschungen. Die kleinen Abenteuer von Pia und Yoko sind daher zu keiner Zeit wirklich packend, sondern plätschern wie ein Staffellauf dahin: Eine Szene reiht sich mehr oder minder holprig an die nächste. Das alles mündet dann in ein aufgesetztes Happy End, bei dem selbst der fiese Zoodirektor, vorher noch ein Inbegriff des bösen Geschäftemachers, wie aus dem Nichts geläutert ist. Bei "E.T. - Der Außerirdische", dessen Story sehr ähnlich gelagert ist, waren die Kennlernphase und der darauf folgende Trubel vielfach spannender – und sind es bis heute.

Doch wenngleich "Yoko" dramaturgisch in Richtung des tausendfach Gesehenen läuft, ist er als Kinderfilm nicht völlig verirrt. Nicht nur der vergleichsweise schöne CGI-Yeti (im deutschen Kino eine Seltenheit), sondern auch die sympathischen Darsteller und die kompakte Figurenzeichnung retten "Yoko" ins Mittelmaß. Hinzu kommt die moralisch wertvolle Botschaft, die als zentrales Herzstück sämtliche Charaktere in der einen oder anderen Form beschäftigt: Tiere gehören in die (freie) Natur! Die implizite Kritik an Zoologischen Gärten, insbesondere an schlecht geführten, dürfte vor allem kleine Kinder zu weiteren Fragen an die Eltern führen, was begrüßenswert ist. Trotzdem: Wer Nachwuchs hat, der gerne mehr über Yetis, Tibet oder Freundschaft erfahren will, der sollte selbigem lieber den klassischen Comicband "Tim in Tibet" von Hergé an die Hand geben.
Christian Horn

Yoko, Deutschland, Schweden, Österreich 2011, Regie: Franziska Buch, Buch: Gerrit Hermans, mit Jamie Bick, Lilly Reulein, Friedrich Heine, Tobias Moretti, Jessica Schwarz, Justus von Dohnányi u.a., o.A., 103 min, Kinostart: 16. Februar 2012 bei Sony Pictures

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "Yoko"

Die Webseite zu "Yoko"
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