Fünf Freunde

Vier Kinder und ein Hund

Kinostart: 26.1.2012 | Kirsten Taylor | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Vor 70 Jahren fing es an: Da erschien in England das Buch "Five on Treasure Island" ("Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel") von Enid Blyton. 20 weitere Abenteuergeschichten mit Julian, Dick, George, Anne und dem Hund Timmy sollten bis 1962 noch folgen. "Die fünf Freunde" gehören seitdem zu den erfolgreichsten Kinderbuchreihen weltweit, standen aber vor allem in den 1970er-Jahren durchaus in der Kritik. Denn liest man die Originalbücher, so wimmelt es von uralten Geschlechterrollen (auch wenn sich hinter George das Mädchen Georgina verbirgt, das unbedingt ein Junge sein will), von ausländerfeindlichen Ansichten und eindimensionalen Charakteren. Wer gut und wer böse ist, ist in den Büchern schnell ausgemacht. Verdächtig sind von vornherein all jene, die irgendwie anders sind, mit ausländischem Akzent sprechen oder gar "Zigeuner" sind. Zudem sind die Freunde von einem tiefen Klassenbewusstsein geprägt – und natürlich gehören sie den so genannten besseren Kreisen an.

Davon ist in der ersten deutschen Kinoverfilmung "Fünf Freunde" natürlich nichts mehr zu spüren, zumal die Bücher mittlerweile sprachlich überarbeitet und modernisiert wurden. Julian, Dick, Anne und George verbringen gemeinsam ihre Ferien und müssen sich erst einmal zusammenrappeln. Denn mögen tun sie sich erst einmal nicht. Doch schon bald stecken sie mittendrin in einem Abenteuer: Georges Professoren-Papa, der an einer umweltfreundlichen Energiegewinnungsmethode arbeitet (was dem Ganzen noch einen modernen Ökoanstrich gibt), soll offenbar entführt werden. Dass die Kinder samt Hund die Übeltäter dingfest machen, ist klar. Dabei lernen sie ihre üblichen Lektionen, etwa, dass man zusammen stark ist oder sich manchmal seinen Ängsten stellen muss. Zudem beweisen sie den – zum Teil ziemlich dämlichen – Erwachsenen, dass auch Kinder etwas drauf haben. Das ist solide gemachte, aber auch ziemlich überraschungsfreie Familienunterhaltung mit erfreulich sympathischen Kinderdarstellern. Zuweilen kommt sogar ein bisschen Spannung auf. Doch auch dieser Kinderfilm mit dem Etikett "Made in Germany" setzt auf die bewährte Rezeptur: Wie zuvor schon bei "Die wilden Kerle" oder "Die wilden Hühner" werden erfolgreiche Bücher adaptiert, anstatt eigene Stoffe zu entwickeln, die auch etwas mit dem Leben von jungen Zuschauern zu tun haben. Filme wie "Max Minsky und ich" oder "Wintertochter" sind nämlich leider eher Ausnahmen in der deutschen Kinderfilmlandschaft.
Kirsten Taylor

Fünf Freunde, Deutschland 2012, Regie: Mike Marzuk, Buch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings nach den Kinderromanen von Enid Blyton, mit Valeria Eisenbart, Quirin Oettl, Justus Schlingensiepen, Nele-Marie Nickel, Michael Fitz, Anja Kling u.a., 93 min, Kinostart: 26. Januar 2012 bei Constantin

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "Fünf Freunde"

Die deutsche Webseite zu "Fünf Freunde"
"Fünf Freunde" auf filmportal.de
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Fünf Freunde" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)