Tage, die bleiben

Das Modell Kleinfamilie

Kinostart: 26.1.2012 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Irgendwo zwischen Klinkersteinfassade und Tuja-Hecke haben sich Andrea und Christian verloren. Das Paar lebt so aneinander vorbei, wie das die meisten lang gedienten Eheleute tun. Die Kinder haben als Gemeinsamkeit ausgedient, der große Sohn wohnt längst in der fernen Stadt, die Tochter ist bald auch aus dem Haus. Die Leere füllen der Job, das soziale Engagement, die Geliebte und der Geliebte. Ein Unfall ändert alles: Ehefrau und Mutter Andrea stirbt. Am Loch, das sie hinterlässt, brechen lang versteckte Konfliktlinien auf. Einer Familie ist der Kitt verloren gegangen. Das beschreibt "Tage, die bleiben". Aber auch, wie diese Familie sich neu findet. Die alte, eh verlorene Glückslüge wird endgültig ausrangiert. Aber es gibt Hoffnung: Auch das Neue hat einen Wert.

Filmemacherin Pia Strietmann ist ein erstaunlich ungeschönter, wohltuend unspektakulärer Blick auf das Modell Kleinfamilie gelungen. Obwohl oft unter freiem Himmel gedreht, erreicht "Tage, die bleiben" eine nahezu kammerspielartige Intensität. Dafür sind zum einen die hervorragenden Schauspieler verantwortlich, allen voran Götz Schubert als Vater. Zum anderen die präzisen, dem Leben abgelauschten, niemals in die Pathosfalle tapsenden Dialoge. Und nicht zuletzt das außergewöhnliche Farb-Design des Films. Blass sind die Bilder, als sollte der graue Alltag visualisiert werden. Nur selten scheinen helle, bunte Flecken auf, dafür umso deutlicher. Es ist ein symbolisches, aber niemals aufdringliches Spiel mit den Farben und ihrem Verschwinden. Nachts mögen alle Katzen grau sein, aber im Kino können Grauwerte eine unerwartete Klarheit schaffen.
Thomas Winkler

Tage, die bleiben, Deutschland 2011, Regie: Pia Strietmann, Buch: Pia Strietmann, Lea Schmidbauer, mit Götz Schubert, Max Riemelt, Mathilde Bundschuh, Lena Stolze, Andreas Schmidt, Michael Kranz u.a., 105 min, Kinostart: 26. Januar 2012 bei alpha medienkontor

Foto: Verleih



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