Sarahs Schlüssel

Die Schatten der Vergangenheit

Kinostart: 15.12.2011 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Die zehnjährige Sarah hat ihren vierjährigen Bruder hinter einer Tapetentür eingesperrt, einer Ahnung folgend, dass die Polizei vor ihrer Wohnungstür nichts Gutes will. Mit Recht, denn schon wenig später wird sie mit ihrer Familie aus dem jüdischen Viertel in Paris weggekarrt und im Vélodrome d'Hiver interniert – zusammen mit rund 13.000 Männern, Frauen und Kindern jüdischen Glaubens. Das geschah am 16. und 17. Juli 1942. Fünf Tage harrten die Inhaftierten dort unter unwürdigsten Bedingungen aus, bevor sie in Hitlers Konzentrationslager deportiert wurden. 50 Jahre sollte es dauern, bis sich 1995 der damalige Premier Jaques Chirac öffentlich zur Verantwortung Frankreichs für die Verbrechen der Vichy-Regierung während des Zweiten Weltkriegs und für die Kollaboration mit den Nationalsozialisten bekannte. Trotzdem wissen nur wenige, was sich damals in Paris zugetragen hat.

Anhand des Schicksals der kleinen Sarah, eine der Hauptfiguren in dem 2007 veröffentlichten Roman "Sarahs Schlüssel" von Tatiana de Rosnay, lassen sich Wissenslücken schließen. Nun hat Regisseur Gilles Paquet-Brenner den bewegenden Bestseller verfilmt. Grausame Eingangssequenzen zeigen die Polizeirazzia an jenen heißen Juli-Tagen und die schrecklichen Sekunden, als die Eingepferchten jäh begreifen, was ihnen bevorsteht. Sarah hält die ganze Zeit über den Schlüssel zur Tapetentür umklammert, hoffend, ihren Bruder bald befreien zu können. Es kommt anders. Wie genau, findet 60 Jahre später die amerikanische Journalistin Julia (Kristin Scott Thomas) bei Recherchen über die Pariser Judenverfolgung heraus. Sie wohnt seit langem hier und ist mit einem Franzosen liiert, dessen Eltern einst die Wohnung von Sarahs Familie übernahmen.

Während Julia den Verbleib Sarahs recherchiert und ihre eigenen Probleme zu lösen versucht, stellt sich für sie immer stärker die Frage nach der Mitschuld der Familie ihres Verlobten an den Ereignissen von 1942. Durch das geschickte Verschränken der beiden Erzählebenen reflektiert "Sarahs Schlüssel" subtil das Grauen der Geschichte und deren Einfluss auf die Gegenwart – unaufdringlich und unumstößlich.
Cristina Moles Kaupp

(Elle s'appelait Sarah) Frankreich 2010, Regie: Gilles Paquet-Brenner, Buch: Tatiana de Rosnay, Serge Joncour, Gilles Paquet-Brenner nach dem gleichnamigen Roman von Tatiana de Rosnay, mit Kristin Scott Thomas, Mélusine Mayance, Niels Arestrup, Frédéric Pierrot, Michel Duchaussoy u.a., 104 min, Kinostart: 15. Dezember 2011 bei Camino

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "Sarahs Schlüssel"

Die deutsche Webseite zu "Sarahs Schlüssel"
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Sarahs Schlüssel" auf filmz.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)