Ohne Shrek: der gestiefelte Kater
Süß lispelnd und mit erschrocken-riesigen Augen war der gestiefelte Kater der heimliche Star der "Shrek"-Filme. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann er in einem eigenen Film die Hauptrolle spielen würde. Gut zwei Jahre nach der "Shrek"-Pensionierung ist es nun so weit. Und wie es in Hollywood üblich ist, bekommt Katerchen endlich eine Kindheit und Jugend, die mit seinem Leben im Königreich Weit Weit Weg wenig zu tun hat – passend zum Akzent irgendwo in einem spanischsprachigen Land.
Als Kater und Findelkind muss er sich im Waisenhaus gegen die "normalen" anderen Kinder durchsetzen. Bester Freund ist ein anderes seltsames Kind, der Eiermann Humpty Alexander Dumpty. Gemeinsam träumen sie davon, drei sagenhafte Zauberbohnen zu finden, die den Weg zur goldene Eier legenden Gans ebnen sollen. Im Gegensatz zum Kater hat sein Freund enorme kriminelle Energie und startet schon früh allein eine Verbrecherkarriere. Jahre später treffen sie sich auf der Jagd nach den Zauberbohnen wieder, die anscheinend doch kein Märchen sind, sich aber leider im Besitz des Banditenpärchens Jack und Jill befinden. Gemeinsam mit Kitty Samtpfote, einer cleveren Katze ohne Klauen, geht es auf eine wilde Hatz quer durchs Land, die die drei über sich hinauswachsen lässt.
Regisseur Chris Miller, der auch schon den dritten "Shrek"-Film inszenierte, arbeitete drei Jahre an der Umsetzung von "Der gestiefelte Kater". Passend zum Akzent des flauschigen Helden führt er den Zuschauer in eine wunderliche Hispano-Wildwest-Atmosphäre mit weiten Landschaften, Schurken in schmierigen Spelunken, aber ebenso miese Intrigen wie im Weit-Weit-Weg-Land.
Die Story orientiert sich stark an angelsächsischen Märchenmotiven, beispielsweise "Jack und die Bohnenranke", die neu interpretiert werden. Popkulturelle Anspielungen gibt es weniger, prominente Stimmen dafür wieder zuhauf. "Der gestiefelte Kater" funktioniert sehr gut als familienkompatibles, modernes Märchen mit rasanten Verfolgungsjagden, einem großen Geheimnis und einfachen Werten wie Freundschaft, Mut und Treue. Ein bisschen Liebe gibt's aber auch. "Shrek"-Fans könnten jedoch ein wenig, nun ja, erschreckt sein.
Ingrid Beerbaum
(Puss in Boots) Animationsfilm, USA 2011, Regie: Chris Miller, Buch: Tom Wheeler, 90 min, Kinostart: 8. Dezember 2011 bei Paramount
Foto: Verleih
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