Mad Circus

Die Rache des Clowns

Kinostart: 8.12.2011 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Faschismus hat im Kino in den letzten Jahren verstärkt karnevaleske Züge angenommen. Álex de la Iglesias neuer Film "Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod" könnte eine hübsche Schlussnote unter dieses Kapitel setzen. Schon die Ouvertüre ist grandios. Spanien 1937: Ein bewaffneter Trupp Revolutionäre platzt in die Kindervorstellung eines Zirkus und zwingt die Zirkusleute zur Parteinahme. Vor der Tür warten Francos Soldaten, um die republikanischen Kämpfer niederzuschlagen. Was folgt, überbietet an Irrwitz selbst Zack Snyders digitale Schlachtengemälde aus "300": Ein Sturmlauf von Macheten schwingenden Clowns, bärtigen Frauen und Zirkusartisten Seite an Seite mit den republikanischen Garden auf Francos Mördertruppen. Blut spritzt, Gliedmaßen fliegen, am Ende liegt ein geschlagener Clown im Dreck. Seinem Sohn gibt er noch ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg: Solange Franco regiert, dürfe es keine lustigen Clowns geben. "Rache!"

1973 liegt auch das faschistische Spanien in den letzten Zügen, doch die wahnhaften Register arbeiten ungebrochen. Javier ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten. In einem felliniesken Zirkusensemble gibt er den traurigen Sidekick für den lachenden Clown Sergio, einem gewalttätigen Psychopathen, der seine Frau, die schöne Akrobatin Natalia, misshandelt und verprügelt. Dem hängebackigen Javier steht die Trauer des spanischen Volkes über die verlorene Revolution buchstäblich ins Gesicht gemalt, aber Vaters Diktum der Rache hat sich tief ins Unterbewusstsein gegraben. Es bedarf nur eines Auslösers. Javier ist eine tickende Zeitbombe.

"Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod" ist der Versuch einer politischen Parabel, doch de la Iglesias Programm erinnert eher an die Pulp-Fantasien eines Robert Rodriguez. Die Allegorien auf das faschistische Spanien hängen schief, werden aber immer wieder von den unglaublichsten Visualisierungen zurechtgerückt. Die Titelsequenz mit ihren historischen Aufnahmen von siegesgewissen Republikanern, Leichenbergen, Franco-Bildern und Monsterfratzen ist ein schönes Beispiel für de la Iglesias eigenwilligen Ideenreichtum. Für welche Parteien Javier, Sergio und Natalia in Spaniens turbulenter Vergangenheit letztlich stehen, ist relativ zweitrangig. Die Clowns verfallen zusehends in eine bizarre Raserei, die auch vor körperlichen Verstümmelungen nicht halt macht. Hoch auf dem Heiligen Kreuz von Francos Wahnsinns-Denkmal im Tal der Gefallenen finden Javier, Sergio und Natalia wieder zum Showdown zusammen.
Andreas Busche

(Balada triste de trompeta) Spanien, Frankreich 2010, Buch & Regie: Álex de la Iglesia, mit Carlos Areces, Antonio de la Torre, Carolina Bang, Sancho Gracia, Juan Luis Galiardo, Enrique Villén u.a., ab 18, 108 min, Kinostart: 8. Dezember 2011 bei Koch Media

Foto: Verleih



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