A Snake of June

Kalt wie ein Neonlicht

Kinostart: 11.3.2004 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Das Kino Shinja Tsukamotos ist erfüllt von perversen Obsessionen, sexueller Repression und niederem Spannertum. Ein Kino, das sich genauso mit sich selbst auseinander setzt wie auch mit Menschen am Rande zur Soziopathie. Nur eine Megalopolis wie Tokio kann den Hintergrund für solch zwanghafte Geschichten liefern. Mit “A Snake of June” hat Tsukamoto zum ersten Mal seit seinem unglaublichen Debüt “Tetsuo Ironman” (1989) adäquate Bilder für den Schwindzustand der Menschen und der Stadt gefunden. “A Snake of June” ist eine monochrome, blau-getönte Großstadthölle: klaustrophobisch, unter immensem sozialem (und sexuellem) Druck und kalt wie ein Neonlicht. In dieser Welt suchen die Körper nach Kompensation und sie finden sie in grotesken Mensch-Maschine-Metamorphosen. Diese Bilder sind heute mit dem Kino Tsukamotos synonym geworden. Eine fantastische visuelle Schürfstelle für menschliche Abgründe.
In "A Snake of June" führen die junge Rinko und der wesentlich ältere, fette Shigehiko eine zufriedene Ehe ohne körperliche Bedürfnisse. Shigehiko ist ein zwanghafter Reinigungsmensch. Darum müssen sich ihre schmutzigen, sexuellen Begehren andere Ventile suchen. Eines Tages erhält Rinko einen Brief, in dem ein unbekannter Voyeur (Tsukamoto selbst) ihr heimlich aufgenommene Fotos schickt, auf denen sie ihren unterdrückten Fantasien freien Lauf lässt. Seine Forderung: Sie soll ihre sexuellen Wünsche öffentlich zur Schau stellen oder ihr Mann erhält Abzüge der Bilder. Aber der hat seine eigenen kleinen Geheimnisse.

"A Snake of June" ist ein so harter Brocken, weil er den Gehalt seiner Bilder noch nicht verarbeitet hat. Tsuka fördert immer neue obsessive Bilder zu Tage, mit denen er seine alten Obsessionen austreibt. Visuell ist Tsukamotos neuer Film eine Rückbesinnung auf "Tetsuo Ironman": Die Kamera folg den triebhaften Spielen der Figuren mit nervenzerfetzenden Schnitten und flächigen, chromblitzenden Schwarzweiß-Kontrastierungen. Der Höhepunkt ist eine panische, superregressive Männerfantasie, aus der die unterdrückte Gewalt der Figuren förmlich herausplatzt. Tsukamotos letztes großes Metamorphose-Bild. Wirklich, man muss das gesehen haben, um es zu glauben.
Andreas Busche

(Rokugatsu no hebi ) Japan 2002, Buch und Regie: Shinya Tsukamoto, mit Asuka Kurosawa, Yuji Kohtari, Shinya Tsukamoto, Mansaku Fuwa, Tomoro Taguchi, Susumu Terajima, ab 16, OmU, Kinostart: 11. März 2004 bei Rapid Eye Movies

Foto: Verleih


www.asnakeofjune.com
Website zum Film (japanisch und englisch)
www.rapideyemovies.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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