The Look - Charlotte Rampling

Das Subjekt der Begierde

Kinostart: 20.10.2011 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Von Robert Mitchum stammt der Spruch, dass einem von Charlotte Ramplings durchdringenden Blicken das Klappmesser in der Hose aufginge. Es ist nur eine Drehbuchzeile in der Philip-Marlowe-Verfilmung "Fahr zur Hölle, Liebling" (1975), aber sie verewigte Rampling in der Halbwelt der harten Burschen und Femmes fatales. Charlotte Rampling würde sich an einem solch zweifelhaften Kompliment wahrscheinlich nicht einmal stoßen. "Schauspieler", sagt sie in dem Filmporträt "The Look - Charlotte Rampling" von Angelina Maccarone, "sind Projektionsflächen für vielerlei Begehren." Rampling hat diese Begehren in ihren Filmen immer wieder bedient – und im entscheidenden Moment gegen den Betrachter gewendet. In Liliana Cavanis "Der Nachtportier" (1974) spielt sie eine ehemalige KZ-Insassin, die sich nach dem Krieg auf eine sadomasochistische Beziehung mit ihrem früheren Peiniger einlässt. In dem Science-Fiction-Film "Zardoz" (1973) hält sie männliche Sexsklaven als Zuchtbullen. Und in Oshimas "Max Mon Amour" (1986) nimmt sie sich einen Schimpansen als Liebhaber. Rampling war sich auch für Rollen in Hollywood nie zu schade, aber ihre Auswahl an Filmen und Regisseuren lässt deutlich eine europäische Sensibilität erkennen, die sie sich in vierzig Jahren Schauspielerei bewahrt hat.

Rampling erweist sich als dankbare Gesprächspartnerin. Maccarone greift nur unwesentlich in ihren Gedankenfluss ein. Für ihr Porträt hat sie Rampling mit alten Freunden und Kollegen zusammengebracht. Mit den Fotografen Peter Lindbergh und Juergen Teller spricht sie über das Ausgesetzt-Sein und Tabus – darin ist Rampling wahrlich eine Expertin –, Paul Auster verwickelt sie in ein hochinteressantes Gespräch über das Altern und ihrem Sohn Barnaby Southcombe erklärt sie ihr Verständnis von Resonanz in der künstlerischen Arbeit.

Der Titel von Maccarones Film ist doppeldeutig zu verstehen. Er spielt auf Ramplings eisgraue, Medusa-artige Augen an, die unter ihren tiefen Augenlidern eine abschätzige Erotik signalisieren, bezieht sich aber genauso auf Ramplings Selbstverständnis als selbstbestimmtes Begehrensobjekt in einem gesellschaftlichen Klima rein äußerlicher Werte. Rampling ist es immer wieder gelungen, sich dank Regisseuren wie François Ozon ("Unter dem Sand", "Swimming Pool", "Angel - Ein Leben wie ein Traum"), Laurent Cantet ("In den Süden") oder Lars von Trier ("Melancholia") neu zu erfinden. Ohne diese Freiheit, sagt sie, hätte sie schon vor langer Zeit das Interesse an der Schauspielerei verloren.
Andreas Busche

The Look - Charlotte Rampling, Dokumentarfilm, Frankreich, Deutschland 2011, Buch & Regie: Angelina Maccarone, mit Charlotte Rampling, Peter Lindbergh, Paul Auster, Barnaby Southcombe, u.a., OmU, 94 min, Kinostart: 20. Oktober 2011 bei Piffl Medien

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "The Look - Charlotte Rampling"

Die Filmwebseite zu "The Look - Charlotte Rampling"
"The Look - Charlotte Rampling" auf filmportal.de
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