Yuki & Nina

Die Ausreißerinnen

Kinostart: 16.6.2011 | Marguerite Seidel | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Das ist das Ende der Liebe", versucht Ninas Mutter zu erklären, warum Paare sich scheiden lassen. Aber Nina und ihre beste Freundin Yuki verstehen nicht. Wenn eine Trennung so traurig ist, dass Mama und Papa sich permanent streiten und manchmal sogar weinen, dann sollten sie besser einfach zusammenbleiben! So argumentieren die beiden neunjährigen Mädchen: Nina gegen die Scheidung ihrer Eltern, die bereits stattgefunden hat, Yuki gegen den bevorstehenden Umzug von Paris nach Japan – weg vom Vater und von Nina, zurück ins Heimatland der Mutter.

Aus Erwachsenenperspektive macht das Aufbegehren der Mädchen allerdings keinen Sinn – die Trennungen sind endgültig –, doch darum geht es nicht in der gemeinsamen Regiearbeit des Japaners Nobuhiro Suwa und des Franzosen Hippolyte Girardot. Sie konzentrieren sich in "Yuki & Nina" ganz auf die Sicht der Kinder, die auf ihre eigene Weise gegen die zerbrechenden Familien rebellieren und einen Weg finden müssen, mit ihrem Kummer fertig zu werden. Dafür schauen die Filmemacher ihren Protagonistinnen beim Plaudern, Schweigen, Spielen und beim Widerstand gegen die Veränderungen in ihrem Leben zu. Dies tun sie mit solch einer Achtsamkeit für scheinbar beiläufige Details und die stillen wie lauten Momente des Protestes, dass man glauben könnte, es gäbe kein Drehbuch: Yuki und Nina wirken wie aus dem Leben gegriffen.

Irgendwann wird der Stress zu Hause den beiden Mädchen zu viel. Sie reißen aus und der Film mit ihnen. Es geht weg von den Familienzwängen in den städtischen Apartments hinaus in die Wildnis des Waldes, weg von der Poesie des Alltäglichen mitten hinein in die Magie des Kinos, in dem sich zwei weit entfernt liegende Schauplätze per Montage zu einem einzigen wundersamen Ort verschmelzen lassen. Yuki findet dort, was sie gesucht hat, während der Kinosaal dank des Zaubers der behutsam durch den Film geführten jungen Hauptdarstellerinnen für das Publikum ebenso zum Entdeckungsort wird.
Marguerite Seidel

Yuki & Nina, Frankreich, Japan 2009, Buch & Regie: Nobuhiro Suwa, Hippolyte Girardot, mit Noë Sampy, Arielle Moutel, Tsuyu Shimizu, Hippolyte Girardot, Marilyne Canto u.a., OmU, 92 min, Kinostart: 16. Juni 2011 in Berlin und München bei Peripher

Foto: Verleih



Mehr Infos zu "Yuki & Nina"

Die japanische Webseite zum Film
Infos zu "Yuki & Nina" vom deutschen Verleih
Filminfos in der Internet Movie Database
Mehr Artikel zu "Yuki & Nina" auf filmz.de




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