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Dieser Film ist sicherlich einer der ungewöhnlichsten deutschsprachigen Dokumentarfilme der letzten Jahre überhaupt. In ihrer Engführung der Lebenswege zweier Bruder-Schwester-Paare – eines realen und eines spirituellen – stellt Regisseurin Maria Mohr höchst interessante Kreuz- und Quer-Verbindungen zwischen ihren vier Protagonisten her, die einen auch lange nach Filmende nicht loslassen. Die Berliner Filmemacherin hat in ihrem Langfilmdebüt Filmbilder, Fotografien, Super-8-Aufnahmen, Stimmen, Klänge und Musik zu einer faszinierend vielschichtigen und intellektuell stimulierenden Collage über den Zusammenhang von Dies- und Jenseitigem verwoben.
Dass das so gut funktioniert, liegt an einer Doppelbewegung, die der Film vollzieht. Zum einen ist da jener Bruder-Schwester-Strang, der die Filmemacherin mit ihrem 23-jährig verstorbenen Bruder Matthias verbindet. Zum anderen ist da Maria Mohrs Tante Ingrid, eine Nonne, die ihr Leben der Übersetzung der Schriften des 2009 heilig gesprochenen spanischen Mystikers Rafael Arnáiz Barón gewidmet hat. Die Filmemacherin begleitet ihre Tante auf Vorträge, auf denen sie über Rafael spricht und mit Geistlichen und interessierten Laien über dessen Schriften diskutiert. Angereichert ist dieser Erzählstrang mit Exkursen über das Leben des Trappisten-Mönchs, der 1911 geboren wurde und schon 1938 infolge einer Zuckerkrankheit viel zu jung verstorben ist.
In Maria Mohrs Film geht es um Sehnsuchtsbewegungen, um die Suche nach spiritueller Erfüllung, es geht um die Liebe zu den Toten und den Lebenden und um existentielle Fragen nach Glaube, Sinn und Hoffnung. Die poetische Kraft dieses Films steckt dabei in seiner radikalen Subjektivität, die von der eigenen Existenz der Filmemacherin ausgehend eine gedankliche Bewegung vollzieht, die vier Menschen, zwei lebende und zwei tote, miteinander verbindet.
Andreas Resch
Bruder Schwester, Dokumentarfilm, Deutschland 2010, Buch & Regie: Maria Mohr, OmU, Kinostart: 24. März 2011 bei Arsenal Distribution
Foto: Maria Mohr
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