t

Kitchen Stories

Männer am Herd

Kinostart: 5.2.2004 | Stefanie Zobl | Kommentar schreiben | Artikel drucken

In den 1950er-Jahren führten schwedische Wissenschaftler eine ulkige Studie durch: Zur Optimierung der damaligen Kücheneinrichtung beobachteten sie über einen längeren Zeitraum Hausfrauen bei der Arbeit. Dabei kam Erstaunliches heraus: Eine durchschnittliche Hausfrau legte innerhalb eines Jahres zwischen Herd, Kühlschrank und Spüle eine Strecke zurück, die der Entfernung zwischen Schweden und Kongo entspricht; durch verbesserte Einrichtungen ließ sich diese Distanz auf die Strecke Schweden - Norditalien reduzieren. Ausmessen konnten die Forscher dies dank kryptisch anmutender Skizzen, denn jeder einzelne Gang der observierten Hausfrau war in einem Grundriss ihrer Küche aufgezeichnet.

Diese Forschungsreihe inspirierte den norwegischen Regisseur Bent Hamer zu seiner skurrilen Tragikomödie - allerdings hat er in seinem Film eine etwas andere Testgruppe im Blick: Es geht um das Küchenverhalten norwegischer Junggesellen. Genau genommen geht es um Isak, einen wortkargen und kauzigen Bauern, der sich nur auf das Projekt einlässt, weil er als Gegenleistung ein Pferd bekommen soll, und um Folke, seinen schwedischen Beobachter, der adrett gekleidet auf einer Art riesigem Babystuhl über Isaks Küche thront. Die beiden haben anfangs eine schwierige Zeit miteinander, denn Isak weigert sich strikt, seine Küchengewohnheiten zu zeigen. Stattdessen richtet er eine provisorische Kochstelle in seinem Schlafzimmer ein und beobachtet von dort aus selbst seinen Observator, der ohne Arbeit in der dunklen Küche sitzen muss. Doch dann entwickelt sich allmählich eine freundschaftliche Beziehung zwischen Forscher und Forschungsobjekt, was überhaupt nicht im Interesse der Studie ist und zu jeder Menge Ärger mit Folkes Vorgesetzten und anderen Missgünstlingen führt.

Das kernige Küchen-Kammerspiel setzt mehr auf die Körpersprache und Blicke der großartigen Darsteller denn auf das gesprochene Wort. Es bevorzugt subtile und teilweise absurde Situationskomik mehr als brüllenden Humor. Gemächlich, wie das Leben in dem norwegischen Dorf, in dem die Geschichte spielt, ist das Tempo, in dem der Film von der Männerfreundschaft zwischen Isak und Folke und ihrem Widerstand gegen Pflichten und Zwänge erzählt. Dieses filmische Kleinod sollte man anschauen – es lohnt sich!
Stefanie Zobl

(Salmer fra kjøkkenet) Norwegen, Schweden 2003, Regie: Bent Hamer, Buch: Bent Hamer, Jörgen Bergmark, mit Joachim Calmeyer, Tomas Norström, Bjorn Floberg, Reine Brynolfsson, Sverre Anker Ousdal, Lennart Jahkel, Leif Andrée, Kinostart: 5. Februar 2003 bei Arsenal

Foto: Verleih


www.kitchenstories.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

Dein Kommentar