A Real Life - Au voleur

Der Panther

Kinostart: 16.12.2010 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, dass er nichts mehr hält. /Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe / und hinter tausend Stäben keine Welt." Um einen Panther drehen sich Rainer Maria Rilkes Zeilen. Sie könnten aber auch Bruno beschreiben, einen ruhelosen Dieb aus einer Pariser Vorstadt. Dort lehrt Isabelle Deutsch und versucht mit Poesie in den Köpfen ihrer Schüler eine andere Lebenssehnsucht zu pflanzen. Isabelle ist jung und hungrig, fast wie ihre Schüler. Sie unterrichtet mal hier, mal dort eine Sprache, die in Frankreich kaum einer braucht. Ihr lauwarmes Leben ändert sich schlagartig, als sie ausgerechnet Bruno verfällt. Diesem langen, kantigen Schlacks mit großen Händen und rauhem Lachen. Guillaume Depardieu schlüpfte in diese Rolle, die seine letzte werden sollte: 2009 endete sein wildes Leben. "A real life - Au Voleur" lässt ahnen, wie er sich darin bewegte: eckig, wegen einer Beinprothese, maßlos, weil ihm nach vielem dürstete, kompromisslos, weil es nur dieses eine Leben gibt.

Regisseurin Sarah Leonor verpflanzt den wortkargen Bruno in ein spartanisches Ambiente. Ein Araberjunge wohnt in seinem Block, der Tabakläden knackt und sich von Bruno Ratschläge holt. Bruno wiederum stiehlt Autos und bricht in Wohnungen ein, lotet seine Umgebung stets nach Brauchbarem aus. Misstrauisch und überaus wachsam streift er durch sein Territorium, zu dem bald auch wieder Manu gehört, ein alter Bankräuber, der gerade fünf Jahre Einzelhaft überstanden hat. Spannend ist Sarah Leonor die Skizzierung dieses Gangstermilieus geraten. Sie zeigt Anfänge, Fehler und Risiken dieser Outlaw-Karrieren – ohne sie zu werten. Mittendrin jedoch überblendet die Leidenschaft zwischen Bruno und Isabelle dieses Soziotop und plötzlich dreht sich alles nur noch um diese neue aufregende Zweisamkeit. Für Isabelle ist der schroffe Kerl eine Offenbarung. Doch nur zu bald sind sie auf der Flucht vor der Polizei, gibt es für Isabelle kein Zurück in ihr altes Leben. Auf einem Kahn geht es nun weiter, durch menschenleere Sümpfe und Auenwälder. "A Real LIfe - Au voleur" wird zum Roadmovie, stimmig begleitet von verklungen geglaubten Folk-Songs. Das spätsommerliche Naturidyll wirft die beiden auf sich selbst zurück, auf existenzielle Bedürfnisse, das nackte Leben. Staunend taumelt Isabelle durch eine ungekannte Freiheit, auch Bruno schält sich langsam aus seinem Panzer. Doch die Stäbe, die die Welt vergittern, rosten nicht.
Cristina Moles Kaupp

(Au voleur) Frankreich 2009, Regie: Sarah Leonor, Buch: Emmanuelle Jacob, Sarah Leonor, mit Guillaume Depardieu, Florence Loiret Caille, Jaques Nolot, Benjamin Wangermée, Rabah Nait Oufella u.a., OmU, 96 min, Kinostart: 16. Dezember 2010 bei Projektor

Foto: Verleih

 



www.projektorfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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