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Ich sehe den Mann deiner Träume

Viel Lärm um nichts

Kinostart: 2.12.2010 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Woody Allen hat in bislang über 40 Filmen so etwas wie sein eigenes Genre erschaffen. Denn selbst wenn er sich schon mal in Richtung Krimi ("Scoop") oder Musical ("Alle sagen: I love you") verschlug, ist im Grunde schließlich jeder Film wieder eine Variation der vorherigen: Allen betreibt Beziehungskistenerforschung unter gut situierten, neurotischen Intellektuellen und spürt oft mit sarkastischem, funkelndem Wortwitz den Unerklärlichkeiten der Liebe nach. Seine aktuelle Komödie "Ich sehe den Mann deiner Träume" hingegen gehört zu den schwächeren Filmen des New Yorkers, der am 1. Dezember 75 Jahre alt wurde und hier mit einer gewissen Selbstgenügsamkeit sein Spätwerk ausbaut.

Leichtfüßig, aber auch ziemlich routiniert setzt Allen darin die Beziehungsrotationen in Gang: Josh Brolin gibt den erfolglosen Romanautor Roy, der sich in die hübsche und viel zu junge Nachbarin Dia (Freida Pinto) verliebt und später mit unvorhersehbaren Folgen ein fremdes Werk klaut. Seine Frau Sally (Naomi Watts), eine Galeristin, liebäugelt derweil mit ihrem Chef (Antonio Banderas). Und während sich Helena (Gemma Jones) nach ihrer Scheidung blind in die Vorhersagen ihrer Wahrsagerin stürzt, versucht ihr Ex-Mann Alfie (Anthony Hopkins) der eigenen Sterblichkeit zu entkommen. Das soll unter anderem auch mit Hilfe einer langbeinigen Blondine (Lucy Punch) gelingen, die allerdings auch nicht einmal halb so alt ist wie er – und es bestens versteht, den liebesblinden Senioren emotional und finanziell in Krisen zu stürzen.

Während Allen die verschiedenen Handlungsstränge mit den Kommentaren eines allwissenden Erzählers verbindet, der so manch holprige Plotunebenheit ausbügeln soll, fährt auch "Ich sehe den Mann deiner Träume" einige gewohnt witzige Dialogduelle, situationskomische Augenblicke und Running-Gag-Ideen auf. Die auftretenden Figurentypen sind dabei schon ebenso vertraut wie der ewig gleiche, stets mit Jazz-Klassikern unterlegte Vorspann von Allens Filmen. Dass manche dieser Figuren nicht über das Niveau von Karikaturen hinauskommen, wird dabei vom Schauspielerensemble ausgeglichen, das von Naomi Watts bis Anthony Hopkins wie immer hochkarätig ist. Lediglich Josh Brolin ist eine gewöhnungsbedürftige Wahl für die Besetzung als Allens Alter-Ego, spielt er sich doch etwas ungelenk neurotisch durch seine Rolle als glückloser Romanautor.

Alles läuft hier letztlich darauf zu, eine These zu illustrieren: Um zumindest kurzzeitig glücklich zu sein oder zu werden, braucht es Selbstbetrug und Illusionen. Letztere lässt Allen – abgesehen von einer selig naiven Ausnahme – für alle Beteiligten aber platzen. Was folgt, ist der Sturz auf den Boden der Tatsachen, der ungefedert und für Allens Verhältnisse so böse wie selten erfolgt. Doch welche Bedeutung hat das schon? In den Augen des Regisseurs sind die Dramen des Lebens – angelehnt an Shakespeares Erkenntnis – ohnehin nur Schall, Wahn und viel Lärm um nichts. Wie der Regisseur jedoch dieses mit Pessimismen angereicherte Nichts dem Publikum unterjubelt, ist trotz aller künstlerischer Bequemlichkeit auch hier so amüsant wie eh und je.
Sascha Rettig

(You Will Meet a Tall Dark Stranger) USA, Spanien 2010, Buch & Regie: Woody Allen, mit Naomi Watts, Josh Brolin, Antonio Banderas, Anthony Hopkins, Gemma Jones u.a., 98 min, Kinostart: 2. Dezember 2010 bei Concorde

Foto: Verleih



www.sonyclassics.com/youwillmeetatalldarkstranger
Website zum Film (englisch)
www.mann-deiner-traeume-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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