Cyrus - Meine Freundin, ihr Sohn und ich

Loser versus Nervensäge

Kinostart: 25.11.2010 | Nina Scholz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Was passiert, wenn sich die Indiekino-Lieblinge Jay und Mark Duplass mit den Blockbuster-Königen Ridley und Tony Scott zusammentun? Es kommt eine überraschend leise Komödie heraus: Erzählt wird die Geschichte von John (John C. Reilly), der am Ende ist: Seit Jahren von seiner Frau geschieden, ist er nicht aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen, dort regelrecht verlottert und vereinsamt. Doch genau zu dem Zeitpunkt, der sein schlimmster sein könnte – seine Exfrau eröffnet ihm, dass sie bald heiraten wird –, trifft er auf einer Party Molly (Marisa Tomei). Beide verlieben sich, alles scheint perfekt – einzig und allein Mollys Sohn, der erwachsene Cyrus, mit dem diese eine symbiotische Beziehung führt, stört das Glück und ein Wettstreit zwischen John und Cyrus um Mollys Liebe beginnt.

"Cyrus" ist eine romantische Komödie, aber auch ein Alternativentwurf zu den herkömmlichen Hollywood-Produktionen. Jay und Mark Duplass wagen das Experiment im Kino Gefühle zu erzeugen und dabei auf die sentimentalen, herkömmlichen Formeln zu verzichten. Das kann schief gehen und in bemühtem Experimentalkino enden, hier funktioniert es: Als methodische Verdopplung der Story im Film, in dem Molly, John und Cyrus herausfinden müssen, wie sie es zusammen aushalten, arbeiten die Duplass-Brüder ebenfalls improvisiert. Ihre Drehbücher sind Fragmente, Vorlagen und Ergänzungen. Den Rest müssen die Schauspieler/innen leisten, die nicht besser besetzt sein könnten: John C. Reilly, der, trotz seiner zahlreichen Filme und brillanten Figuren, immer noch unter dem Radar fliegt, entwirft seinen Loser John als melancholischen Optimisten. Jonah Hill dagegen seinen Cyrus als Nervensäge und als modernen Höhlenmenschen; von der Mutter gepäppelt, beschränkt sich sein einziger Kontakt zur Außenwelt auf Menschen, die er über das Internet kennen lernt.
Cyrus ist bescheidenes Kino. Manchmal so bescheiden, dass der Film zu leise wird. Oft aber so wohldosiert, dass der Cyrus länger nachhallt, als man das beim Abspann vermuten würde.
Nina Scholz
 
(Cyrus) Spanien, USA 2010, Buch & Regie: Jay Duplass, Mark Duplass, mit John C. Reilly, Jonah Hill, Marisa Tomei, Catherine Kenner, Matt Walsh u.a., 91 min, Kinostart: 25.November 2010 bei 20th Century Fox

Foto: Verleih



www.foxsearchlight.com/cyrus
Website zum Film (englisch)
www.cyrus-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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