The Kids are All Right

Samenspender gesucht

Kinostart: 18.11.2010 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Selten sieht man im Kino Paare, die so richtig funktionieren. Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) sind so ein Paar. Sie haben zwei wundervolle Kinder und auch nach vielen Jahren Ehe noch Spaß aneinander. In einem solch idyllischen, noch dazu proaktiv nach probiotischen Ernährungsprinzipien gestalteten Alternativumfeld nach dem biologischen Vater zu fragen, ist eigentlich überflüssig. Sohn Laser (Josh Hutcherson) und Tochter Joni (Mia Wasikowska) tun es trotzdem. Bald werden sie das Elternhaus verlassen, da braucht man jeden emotionalen Halt. Also gehen sie auf die Samenbank und finden schließlich den edlen Spender, dem sie ihr Leben verdanken. Als sie den lockeren Bio-Bauern Paul (Mark Ruffalo) mit ihrer und irgendwie ja auch seiner Familie bekannt machen, ist es mit der Idylle allerdings vorbei.

Denn Paul bekennt zwar vollmundig, Lesben zu lieben, geht mit dieser Liebe aber eindeutig zu weit. Ganz und gar nicht nach Nics Geschmack sind auch einige Erziehungsansichten des launigen Schulabbrechers, der das Vatersein sichtlich genießt, ohne davon die geringste Ahnung zu haben. Für ihre Kinder jedoch ist der männliche, heterosexuelle Eindringling mit den schlechten Manieren die ideale Projektionsfläche für einige ungestillte Sehnsüchte des Erwachsenwerdens – obwohl er sich nicht einmal Lasers Namen merken kann, bei dessen instabiler Seelenlage keine große Hilfe.

Die ungewöhnliche Familienkonstellation spielt in Lisa Cholodenkos großartig besetzter Feel-Good-Komödie eigentlich keine Rolle. Nur sachte und mit viel Augenzwinkern wird die fast schon traditionelle Rollenaufteilung der zwei Moms aufs Korn genommen – in der üblichen Besetzung würde man sie gar nicht bemerken. Gleichzeitig verkommt das Konzept nie zur abgeklärten Attitüde: Dass ein lesbisches Paar Schwulenpornos guckt und sich insgeheim einen schwulen Sohn wünscht, weil der einfach sensibler wäre – so viel Spiel mit den Klischees darf schon sein. Dabei ist alles so humorvoll, leicht und unbekümmert inszeniert, dass man gar nicht merkt, wie mutig Cholodenko tatsächlich vorgeht: "The Kids Are All Right" nimmt das weiterhin umstrittene Modell der Homo-Ehe einfach als soziale Tatsache und unterzieht es einem echten Belastungstest: Wie viel Vater braucht ein Kind? Die Frage wird keineswegs kleingeredet, mancher Konflikt scheint sich sogar jahrelang angestaut zu haben, aber man ahnt von vornherein: Diese ganz normale, spießige, uneingeschränkt wunderbare Familie hält einiges aus.
Philipp Bühler

The Kids are All Right, USA 2010, Regie: Lisa Cholodenko, Buch: Lisa Cholodenko, Stuart Blumberg, mit Annette Bening, Julianne Moore, Mark Ruffalo, Mia Wasikowska, Josh Hutcherson, Yaya DaCosta u.a., 106 min, Kinostart: 18. November 2010 bei Universal

Foto: Verleih



www.the-kids-are-all-right.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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