Goethe!

Die Leiden des jungen Johann

Kinostart: 14.10.2010 | Ingrid Beerbaum | Artikel drucken

Es ist ziemlich mutig, einen Film einfach "Goethe!" zu nennen, denn bei einigen wird der Name wahrscheinlich ungute Erinnerungen hervorrufen. Vielleicht hat man deswegen als Irritation das Ausrufezeichen hinter den Namen gesetzt. Außerdem schwingt da ein wenig Trotzigkeit mit, und das passt gut zu dem, was Regisseur Philipp Stölzl ("Nordwand") in seinem neuen Film erzählt. Denn "Goethe!" zeigt den Dichter, bevor er berühmt wurde, mitten in seinem persönlichen "Sturm und Drang".

Eher nach dem Motto "Sturm und Trank" leben Johann (Alexander Fehling) und seine Saufkumpels in Straßburg. Nach durchzechter Nacht versucht sich der 22-jährige Studiosus irgendwie durch die Juraprüfung zu mogeln, was nicht aufgeht. Aber seine Dichtung ist ihm sowieso wichtiger. Gerade hat er den "Götz von Berlichingen" an einen Verleger geschickt und verspricht sich einiges davon. Als das nicht klappt, muss er dem Wunsch des Vaters folgen, der von Johanns literarischen Ambitionen gar nichts hält, und tritt zum Geldverdienen eine Referendarstelle am Gericht von Wetzlar an. Hier gerät er schnell mit dem trockenen Gerichtsrat Kestner (Moritz Bleibtreu) aneinander, schließt aber auch Freundschaft mit Kollege Jerusalem (Volker Bruch), der ihn in die Gesellschaft der Stadt einführt, wo er Lotte (Miriam Stein) begegnet und schließlich alle Leiden des jungen Goethe durchleben muss.

Offensichtlich für ein junges Publikum erfindet Stölzl anhand einiger historischer Fakten seine eigene, moderne Version der Geschichte. Sein Goethe ist einer, der säuft, auch mal "Wunderpilze" isst, sich mit der geliebten Lotte auf dem Waldboden wälzt und von einer Literatenkarriere bislang nur träumen kann. Ein ganz normaler Mensch, und Alexander Fehling ("Am Ende kommen Touristen") ist dafür die Idealbesetzung. Leider schwächelt nach der rasanten ersten Hälfte, die locker ein paar Zitate aus Stücken einflicht, die zweite erheblich und hat Längen, obwohl ein Schicksalsschlag, wie die Trennung von Lotte oder Goethes Gefängnisaufenthalt, den nächsten jagt. Dramaturgisch sind diese Ereignisse zwar wichtig, da sie den späteren Triumph mit seinem Roman "Die Leiden des jungen Werther" erst ermöglichen, aber sie sind zu geballt und lassen den lockeren Grundton vom Anfang leider ins Melodramatische umschlagen. Das Ende, das den Dichter als ersten deutschen Popstar feiern möchte, ist zudem reichlich zahm geraten. Da haben andere modernisierende Künstlerbiografien, allen voran "Amadeus", mehr gerockt.
Ingrid Beerbaum

Goethe!, Deutschland 2010, Regie: Philipp Stölzl, Buch: Christoph Müller, Alexander Dydyna, Philipp Stölzl, mit Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaußner, Henry Hübchen u. a., 104 min, Kinostart: 14. Oktober 2010 bei Warner Bros.

Foto: Verleih



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