Im Oktober werden Wunder wahr

Ein Hauch Kaurismäki

Kinostart: 14.10.2010 | Christian Horn | Artikel drucken

In einer der ersten Einstellungen der peruanischen Tragikomödie "Im Oktober werden Wunder wahr" sitzt Clemente (Bruno Odar) alleine am Frühstückstisch in seiner zweckmäßig eingerichteten Wohnung, zerdrückt lustlos ein gekochtes Ei mit der Gabel und isst darauf sein Brötchen, ohne eine Mine zu verziehen. Schon in dieser – vielleicht etwas zu gewollt Arthouse-mäßigen Eingangsszene – zeigen sich Wesenszüge des ortsansässigen Pfandleihers: Er lebt einsam, zurückgezogen und ökonomisch nach einem klar einstudierten, immer gleichen Tagesablauf.

Das kann ja nicht glücklich machen, denkt man sich, aber Clemente scheint mit dem monotonen Ablauf zufrieden und kann sich wohl auch nicht vorstellen, dass ihm zwischenmenschliche Beziehungen womöglich gut tun würden. Die beiden Brüder Daniel und Diego Vega, die ihren ersten Langfilm gemeinsam inszeniert und geschrieben haben, zwängen ihrem Protagonisten eine solche Bindung alsbald auf. Kaum ist das karge Leben Clementes skizziert, stellt eine der Prostituierten, mit denen er routiniert verkehrt, heimlich ein gemeinsames Baby vor seiner Haustür ab. Davon heillos überfordert, bittet Clemente seine gleichfalls einsame Nachbarin Sofia (Gabriela Velásquez) um bezahlte Hilfe bei der Betreuung, um derweil nach der Mutter des Kindes zu suchen. Und schon hat der in sich gekehrte Pfandleiher eine kleine Familie – freilich ohne sich darüber im Klaren zu sein.

Daniel und Diego Vega erzählen ihre Tragikomödie sehr ruhig und bedacht, mit relativ langen Einstellungen und ökonomischer Bildhaftigkeit. Komik und Tragik stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, mehr noch: Das eine ist immer Teil des anderen, das Tragische liegt im Komischen und umgekehrt. Gerade für einen Debütfilm ist diese durchgängig gehaltene Balance beachtlich. Dennoch wirken viele der Szenen und weite Teile der Figurenzeichnung von Zeit zu Zeit erzwungen kunstvoll und viele der oft religiösen Motive, aber auch die beiden zentralen Handlungsmotoren Glück und Geld erscheinen zuweilen mehr übergestreift als organisch aus den Ereignissen oder Figuren herausgeschält. Nichtsdestotrotz ist den beiden Regisseuren ein sowohl formal als auch inhaltlich schlüssiger Film gelungen, der Lust auf das Folgeprojekt macht.
Cristian Horn

(Octubre) Peru 2010, Buch & Regie: Daniel Vega, Diego Vega, mit Bruno Odar, Gabriela Velásquez, Carlos Gasols, Maria Carbajal, Sofia Palacios, u. a., OmU, 93 min, Kinostart: 14. Oktober 2010 bei Neue Visionen

Foto: Verleih



www.neuevisionen.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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