Die Axt

Das Arbeitstier und die Verzweiflung

Kinostart: 4.10.2010 | Susanne Gupta | Artikel drucken

Bruno Davert, erfolgsverwöhnter Manager in einer Papierfabrik, ist glücklich verheiratet mit einer attraktiven Frau, hat zwei heranwachsende Kinder und ein Haus, für das er jeden Monat pünktlich die Raten abbezahlt. Bis vor zwei Jahren. Da traf es auch ihn. Nun sitzt Bruno auf der Straße, arbeitslos im Zuge einer Umstrukturierung, bei der Arbeitsplätze nach Osteuropa ausgelagert wurden. Ehefrau Marlène muss die Familie mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser halten, was nicht besonders toll ist für das männliche Ego. "Die Axt" erzählt von einem Durchschnittsschicksal in der heutigen Arbeitswelt. Kein anderer als Constantin Costa-Gavras hat den gleichnamigen Roman von Donald E. Westlakes verfilmt. Der Altmeister, der das Genre des Polit-Thrillers maßgeblich geprägt hat, drehte eine rabenschwarze Satire, in der Charaktere und Handlung so drastisch überzeichnet sind, dass das Lachen im Halse stecken bleibt.

Der Plan

Bruno gibt eine fingierte Anzeige auf und filtert heraus, dass es eigentlich nur fünf unter den Bewerbern gibt, die ihm bei der Suche nach seinem Traumjob ernsthaft in die Quere kommen könnten. Er beschließt, diese fünf umzubringen. Bruno wird zum eiskalten Serienkiller, der die Polizei vor Rätsel stellt. Die tappt im Dunkeln mangels Motiv und findet nur heraus, dass alle Toten in der Papierbranche beschäftigt sind.

Für Bruno, der von José Garcia großartig verkörpert wird, wird das Töten zur reinen Notwendigkeit, weil er seine Familie versorgen muss. Er tut dies ohne Gewissensbisse, denn in seinem Verständnis des Neoliberalismus herrscht Krieg: Wer im Weg steht, muss weg! Doch heiligt der Zweck wirklich alle Mittel? Als sein Sohn auf die kriminelle Bahn gerät, Computerspiele und Software im großen Stil klaut, gerät Brunos Überzeugung ins Wanken. Und auch als ein arbeitsloser Mitbewerber – wunderbar gespielt von Ulrich Tukur – ihm Mitleid einflößt, gerät sein Plan durcheinander.

Bruno Davert, der erfolgverwöhnte Manager in einer Papierfabrik ist glücklich verheiratet mit einer attraktiven Frau, hat zwei heranwachsende Kinder und ein Haus, für das er jeden Monat pünktlich die Raten abbezahlt. Bis vor zwei Jahren. Da traf es auch ihn. Nun sitzt Bruno auf der Straße, arbeitslos im Zuge einer „Umstrukturierung, bei der Arbeitsplätze nach Osteuropa ausgelagert wurden. Ehefrau Marlène muss die Familie mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser halten, was nicht besonders toll ist für sein männliches Ego. “Die Axt“ erzählt von einem Durchschnittsschicksal in der heutigen unsicheren Arbeitswelt, diesmal jedoch ganz anders als erwartet aufgezogen, denn kein anderer als Costa-Gavras hat den gleichnamigen Roman von Donald E. Westlakes verfilmt. Der Altmeister, der das Genre des Polit-Thrillers maßgeblich geprägt hat, drehte eine rabenschwarze Satire, in der Charaktere und Handlung so drastisch überzeichnet sind, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

 

Bruno gibt eine fingierte Anzeige auf und filtert heraus, dass es eigentlich nur fünf unter den Bewerbern gibt, die ihm bei der Suche auf seinen Traumjob ernsthaft in die Quere kommen könnten. Er beschließt, diese fünf umzubringen. Er holt die verstaubte Armeepistole des Großvaters aus dem Schrank. Bruno wird zum eiskalten Serienkiller, der die Polizei vor Rätsel stellt. Die tappt im Dunkeln mangels Motiv und findet nur heraus, dass alle Toten in der Papierbranche beschäftigt sind.

Für Bruno, der von José Garcia großartig verkörpert wird, wird das Töten zur reinen Notwendigkeit, weil er seine Familie versorgen muss. Er tut dies ohne Gewissensbisse, denn in seinem Verständnis des Neoliberalismus herrscht Krieg: Wer im Weg steht, muss weg! Doch heiligt der Zweck wirklich alle Mittel? Als sein Sohn auf die kriminelle Laufbahn gerät, Computerspiele und Software im großen Stil klaut, gerät Brunos Überzeugung ins Wanken. Und auch als ein arbeitsloser Mitbewerber – wunderbar gespielt von Ulrich Tukur – ihm Mitleid einflösst, gerät sein Plan durcheinander.

"Für mich heißt Politik nicht nur, an die Urne gehen zu können. Politik ist unser tägliches Verhalten gegenüber den andern und umgekehrt. Immer haben wir Macht über andere und andere über uns. Wie diese Machtpyramide funktioniert – das ist Politik." Regisseur Costa-Gavras gibt hier sein Politik-Verständnis preis, das auch auf "Die Axt" passt wie auf viele andere seiner Werke.

Der heute 77-jährige griechischstämmige Filmregisseur, der in Hollywood und Europa inszeniert und das Handwerk in Paris als Regieassistent von René Clair lernte, wurde bekannt mit seiner Politfilm-Trilogie: "Z" (1968), "Das Geständnis" (1969) und "Der unsichtbare Aufstand" (1972), drei Filme gegen den Faschismus und über Protagonisten im Zentrum der Macht. In der Oscar-preisgekrönten Produktion "Z" rekonstruierte er den Militärputsch in Griechenland 1967 und die Ermordung eines als Kommunisten verteufelten Oppositionspolitikers. Danach drehte er Klassiker wie "Vermisst" (1981) über den Pinochet-Putsch in Chile 1973, der die linksgerichtete Regierung von Salvador Allende unter Mithilfe der CIA wegfegte: eine bewegende Geschichte über einen Vater (Jack Lemmon) auf der Suche nach seinem verschwundenen Sohn. Oder er verwirklichte eine geniale Adaption von Rolf Hochhuths "Stellvertreter" (2001), in der er einen frommen SS-Mann und die Tatenlosigkeit des Papstes und der Kirche angesichts des Holocaust erkundet.

Macht und Ohnmacht

Mit "Die Axt" erkundet Costa-Gavras die Felder Arbeitslosigkeit, Globalisierung und Existenzängste. Alles, was mit einem braven Biedermann, einem Durchschnittsbürger wie Bruno passiert, der es in der Gesellschaft geschafft hat und plötzlich in der Situation ist, alles zu verlieren. "Arbeit ist nicht das Leben", behauptet der Eheberater, den er mit seiner Frau gemeinsam aufsucht. Leicht gesagt. Doch mit dem Jobverlust steht alles auf dem Spiel: Anerkennung, Sicherheit, Identität, Ehe und das Zuhause. Brunos Plan wirkt deshalb weder monströs noch teuflisch, sondern eher menschlich. Seine Beweggründe werden nachvollziehbar.

Ich, ich, ich

"Ich kann die Welt nicht verändern, sondern ich muss schauen, dass die Welt nicht mich verändert", sagte Costa-Gavras einmal. Er lässt den zweifelnden Bruno seinen Traumjob bekommen, nachdem er alle Konkurrenz aus dem Feld geschlagen hat. Ihm scheint genau das passiert zu sein, am Ende verkörpert er die wölfische Moral des Neoliberalismus am besten. Dass es eine Persiflage wie "Die Axt" nicht in die Kinos schaffte, ist schade, denn es gibt so wenige Filme über die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert, die so leicht erzählt und zugleich so böse, witzig und unterhaltsam sind.
Susanne Gupta

Fotos: ©Verleih