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All diese Leichen! Sie liegen im Dreck, auf Stroh, am Wegrand. Menschen mit Schnabelmasken karren sie in Gräber, bahnen sich den Weg durch Matsch, Rauch und Nebel. Düstere Zeiten! Elend, Angst und Verzweiflung – ja, so mag es gewesen sein, als 1348 die Pest in Europa wütete und die Bevölkerung um 40 Prozent dezimierte. Detailversessen führt Regisseur Christopher Smith mit "Black Death" ins Mittelalter, scheut weder Ritter, Tod noch Teufel und zeigt, was passiert, wenn Unwissenheit auf Aberglaube, Katholizismus und rohe Instinkte trifft.
Abseits des unbegreifbaren Sterbens soll es ein Dorf geben, das bislang von der Pest verschont blieb. Laut einem Gerücht überleben dessen Bewohner dank schwarzer Magie. Sollte das stimmen, fürchtet die Kirche um ihre ohnehin schon schwächelnde Autorität. Schon schickt ein Bischof eine Hand voll Söldner in die Ferne, die Sache zu erkunden. Ortsunkundig finden sie in dem jungen Mönch Osmund einen Führer, der gerade in einer Glaubenskrise steckt. Seine humanistische Weltsicht hadert mit der kirchlichen These, dass die Pest eine Strafe Gottes sei. Und dann ist da noch seine Liebste, die Osmund nah an jenem besagten Dorf treffen will. Sein Marsch mit Ritter Ulrics Männern ist gefährlich und führt durch gottverlassene Landschaften, in denen sich apokalyptische Szenen abspielen. Auch innerhalb der Gruppe gibt es Spannungen: Hier sind glaubensstarke, erbarmungslose Kämpfer mit Folterwerkzeugen unterwegs, willens, Böses brutal zu richten. Selbst Osmund wird Ziel ihres Misstrauens.
Genügend Konfliktpotential für einen packenden Thriller, möchte man meinen, dessen glaubenspolitische Muster sich in der Gegenwart fortsetzen. Erwartungsgemäß liefert "Black Death" zunächst auch spannende Einblicke in dieses düstere Geschichtskapitel. Doch kaum haben Ulrics Männer ihr Ziel erreicht, bricht bei Christopher Smith sein seit "Creep", "Severance" und "Triangle" hinlänglich belegtes Faible für Horror, Splatter und Mystery durch. Blitzsauber strahlt das Dorf im Sonnenlicht, ein unheimlicher Kontrast zum bisherigen Morast. Keine Frage: in diesem Idyll kann sich nur Satanisches verbergen. Als Krönung herrscht hier eine verführerische Heilerin, aber betreibt sie wirklich schwarze Magie? Kaum ist die Front zwischen Dorfbewohnern/innen und den Kriegern der Kirche ausgemacht, beginnt das Foltern und Gemetzel, spritzt Lebenssaft in allen Rottönen, wird irgendwann die Verbrennung von Hexen um hundert Jahre vorverlegt. Christopher Smith vergibt damit die Chance, aus "Black Death" mehr herauszuholen als einen wahnsinnigen Blutrausch unter plakativ gezeichneten Charakteren.
Cristina Moles Kaupp
Black Death, Deutschland 2010, Regie: Christopher Smith, Buch: Dario Poloni, mit Sean Bean, Eddie Redmayne, Carice van Houten, Andy Nyman, John Lynch u. a., ab 16, 102 min, Kinostart: 9. September 2010 bei Central
Foto: Verleih