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Die Taube auf dem Dach

Von Liebe und Arbeit

Kinostart: 9.9.2010 | Andreas Resch | Artikel drucken

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Manchmal ist die Geschichte eines Films mindestens ebenso interessant wie die Geschichte, die in diesem Film erzählt wird. Iris Gusners "Die Taube auf dem Dach" aus dem Jahr 1972 ist solch ein Fall. Von der DEFA in Auftrag gegeben, wurde der fertige Film in der DDR nicht für die Kinos freigegeben und noch im Studio vollständig vernichtet. Bis auf eine farbige Arbeitskopie, die allerdings im Anschluss für beinahe zwei Jahrzehnte verschwunden blieb, bis sie schließlich vom Regisseur Roland Gräf in einem unklimatisierten Vorführraum entdeckt wurde. Gräf veranlasste die Herstellung einer Schwarz-Weiß-Negativkopie, anhand derer nun – weitere zwei Jahrzehnte später – der Film im Jahr 2009 restauriert werden konnte, um jetzt, endlich, in Schwarz-Weiß in die Kinos zu kommen.

Sieht man sich "Die Taube auf dem Dach" mit heutigen Augen an, so sticht zunächst die ungewöhnliche Dramaturgie ins Auge, da dieser Film ohne klar erkennbare Protagonisten/innen auskommt und auch im klassischen Sinne keine wirkliche Geschichte erzählt. Vielmehr handelt es sich um ein Werk, das in vielschichtiger und ausdifferenzierter Weise den Geist einer Epoche, der späten sechziger und frühen siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, aufscheinen lässt. Es geht um die Ziellosigkeit junger Menschen, es geht um Generationenkonflikte, um Fragen nach einem möglichen politischen Engagement und einer Existenz im Spannungsfeld zwischen Beruf und Liebe. Kurzum: Es geht um die Frage nach dem richtigen Leben.

Herausragend an diesem Film ist die Kameraarbeit, deren Ästhetik mit ihren Zooms und Schwenks hochmodern wirkt und die interessanterweise ein wenig an die aktueller US-amerikanischer Fernsehserien erinnert. Hinzu kommen ein pulsierender Soundtrack und großartige Schauspieler, die Gusners Werk trotz einer gewissen Neigung zur Thesenhaftigkeit zu weit mehr als einem bloßen Zeitdokument machen.
Andreas Resch

Die Taube auf dem Dach, DDR 1972, Regie: Iris Gusner, Buch: Regine Kühn, Iris Gusner, mit Heidemarie Wenzel, Günter Naumann, Andreas Gripp, Annelene Hischer, Eva-Maria John u. a., 123 min, Kinostart: 9. September 2010 bei defa-spektrum

Foto: Verleih



www.defa-spektrum.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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