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Was machen Tiere, wenn keine Menschen in Sicht sind? Das herauszufinden versuchen für gewöhnlich Tierfilmer/innen. Getarnt, versteckt und im besten Fall mit Hochleistungskameras ausgerüstet pirschen sie sich durchs Gelände, um möglichst unbeobachtet die Alltagsverrichtungen der Tierwelt für die neugierige Zuschauer- und Forscherschaft daheim zu dokumentieren. Allerdings geht es meist nicht um die Tiere, die vor der eigenen Haustür leben, sondern um den Reiz des Wilden, Fremden und Exotischen.
Um vor allem Stadtkindern zu zeigen, dass auch herkömmliche Haus- und Nutztiere weitaus mehr sind als Kuscheltiere und Chicken Nuggets, wollten die französischen Regisseure Dominique Garing und Frédérique Goupi wissen, was passiert, wenn man Katzen, Schweine, Hühner oder Pferde sich selbst überlässt. Die für ihren Film notwendige "Wildnis" mussten sie jedoch erst erfinden: Ein Bauer wird von einem Krankenwagen abgeholt und seine Tiere bleiben allein auf dem Hof zurück. Plötzlich müssen sie sich selbst ernähren, sich in Acht vor natürlichen Feinden nehmen und sichere Brutplätze finden. Aber kaum sind ihre Urinstinkte wieder geweckt, rücken Eindringlinge an. Ein junges Paar übernimmt den Hof und achtet verstärkt auf artgerechte Tierhaltung. Geschlachtet werden die Schweine am Ende freilich trotzdem.
Zwar ist der Plot ein fiktionaler und die Tiere wurden von Trainern/innen angeleitet, dennoch verstehen sich die Regisseure als Dokumentarfilmer. Schließlich hätten die Tiere den Drehort ihren Bedürfnissen und Verhaltensweisen entsprechend "real" eingenommen. Gefilmt wurden Kühe wie Mäuse meist in Augenhöhe und größtmöglicher Nähe. So entsteht der sehenswerte Eindruck eines intimen Einblicks in ihre Gewohnheiten. Ein bisschen wie in "Die Reise der Pinguine" legt zudem eine Erzählerin den Tieren Gedanken und Gefühle ins Maul. Unter anderem deshalb bleibt "Die wilde Farm" doch mehr ein Spielfilm, der wegen seines langsamen Tempos und überniedlicher Erzählerstimme tatsächlich am meisten kleine Kinder ansprechen dürfte: Süße Tierbabys gibt es zuhauf und gestorben wird nur am Rande. Woher nun also das Fleisch genau kommt, wird bloß andeutungsweise klar. Jenseits aller rosigen Bauernhofromantik hält der Film aber auch ein starkes Plädoyer für artgerechte Haltungsmethoden: Bis sie auf dem Teller landen, sollten Tiere wenigstens ein glückliches Leben führen dürfen.
Marguerite Seidel
(La Vie sauvage des Animaux domestiques), Dokumentarfilm, Frankreich, Deutschland 2009, Regie: Dominique Garing, Frédérique Goupi, Buch: Dominique Garing, Frédérique Goupi, Marie-Pierre Muller, 90 min, Kinostart: 9. September 2010 bei Polyband Medien GmbH
Foto: Verleih