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Daniel Schmid - Le chat qui pense

Der Geschichtenerzähler

Kinostart: 2.9.2010 | Cristina Moles Kaupp | Artikel drucken

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Opern, große Gesten, Diven und die Abdrücke von Menschen in ihrer Zeit – davon erzählten die Filme des Schweizer Regisseurs Daniel Schmid. International gefeiert, hat ihn das Publikum zu Hause gern verkannt. Zu dekadent, zu avantgardistisch, zu melodramatisch, zu intellektuell dünkte manchem Eidgnossen "Heute Nacht oder nie" (1972), "La Paloma" (1974) oder "Schatten der Engel" (1975), letzterer war die filmische Adaption von Rainer Werner Fassbinders Theaterstück "Die Stadt, der Müll und der Tod".

Nun fällt neues Licht auf Daniel Schmids Leben und Werk. Als Abschlussarbeit für ihr Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste wollten Pascal Hofmann und Benny Jaberg zwar einen Film mit Daniel Schmid drehen, doch der starb 2006 mit 65 Jahren an Kehlkopfkrebs. Also sichteten sie über 200 Stunden Filmmaterial von und über Daniel Schmid und schufen daraus eine spannende Collage. Sie führt in die Graubündner Berge nach Flims, wo Daniel Schmid in dem mondänen Belle-Epoque-Hotel Schweizerhof seine Kindheit verbrachte. Dessen Lobby empfand er als Bühne für wohlinszenierte Auf- und Abgänge der glamourösen Gäste. Sie lieferten ihm Stoff für seine Fantastereien, die er in einsamen Stunden zu Geschichten verwob.

Expressionistische Filme und das freie Berlin der 1920er-Jahre ziehen den jungen Mann später magisch an. Er verlässt die enge Schweiz, zieht anfang der 1969er zum Studieren nach Berlin und atmet erst mal durch. Er verliebt sich, lebt seine Homosexualität, wird 1967 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) aufgenommen und lernt dann Rainer Werner Fassbinder kennen, dem das Studium dort verwehrt blieb: "Was machst du in der blöden Schule? Das ist ja nur eine Ausrede, weil du keine Filme machen willst, auch nicht kannst und nicht möchtest, weil du ein verwöhnter Schweizer bist", zeterte Fassbinder und so begannen sie gemeinsam in München zu arbeiten. Eine wilde Zeit mit prägenden Begegnungen: allen voran Ingrid Caven, sie wird seine Muse, seine Diva, sein Non-Plus-Ultra. Film- und Theater-Regisseur Werner Schroeter und Kameramann Renato Berta, auch sie kommen in der facettenreichen Dokumentation zu Wort, berichten vom Schaffen, dem gemeinsamen Leben in den WGs in München und Paris und dem Zeitgeist der 1960er- bis 1980er-Jahre. Und dazwischen flackern immer wieder Filmausschnitte auf, die Daniel Schmids freie traumwandlerische Sicht auf das Leben und die Kunst zeigen.
Cristina Moles Kaupp

Daniel Schmid - Le chat qui pense, Dokumentarfilm, Schweiz 2010, Buch & Regie: Pascal Hofmann, Benny Jaberg, mit Renato Berta, Ingrid Caven, Shiguéhiko Hasumi, Bulle Ogier, Werner Schroeter u. a., 83 min, Kinostart: 2. September 2010 bei Salzgeber

Foto: Verleih



www.danielschmid-film.com
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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