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Verrückt nach dir

Telefonsex und so

Kinostart: 2.9.2010 | Christian Horn | Artikel drucken

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Von wegen früher war alles besser! Stichwort: Fernbeziehung. Früher konnten zwei Liebende eine große räumliche Distanz mit Briefen überbrücken oder mit teuren Telefonaten. Heute sind nicht nur Flüge weitaus erschwinglicher, sondern es gibt Emails, Skype, SMS-Nachrichten oder gar Bildtelefonate. Eine leibhaftige Begegnung können diese technischen Neuerungen freilich nicht ersetzen und so ist eine Fernbeziehung heute zwar leichter organisierbar, aber immer noch problematisch. In der romantischen Komödie "Verrückt nach dir" entwirft die bisher als Dokumentarfilmerin erfolgreiche Regisseurin Nanette Burstein eine solche moderne Fernbeziehung und interessiert sich vor allem für die Basis einer jeden Beziehung – die Kommunikation.

In einer New Yorker Bar treffen sie vor einem Spielautomaten aufeinander: Garrett (Justin Long), der gerade eine Beziehung hinter sich hat, und Erin (Drew Barrymore), die in sechs Wochen ins knapp 3.000 Meilen entfernte San Francisco zurückkehren muss. Hähnchen und Bier führen zu einem One Night Stand und das Frühstück danach zu dem Entschluss, sechs schöne Wochen miteinander zu verbringen. Als Garrett seine Liebelei nach Ablauf der Frist zum Flughafen begleitet, sind beide bereits ernsthaft verliebt und wagen den Versuch einer Beziehung über den amerikanischen Kontinent hinweg – mit den erwähnten Hilfsmitteln im Gepäck und den ganzen Problemen, die sich aus fehlender oder nur sporadisch möglicher Zweisamkeit ergeben.

Ihre zeitgemäße Geschichte erzählt Nanette Burstein, vom etwas ausgefransten Ende einmal abgesehen, recht bündig und humorvoll mit Judd-Apatow-mäßigen Charakteren wie etwa Erins übervorsichtiger Schwester Corinne (Christian Applegate). Die lebensnahe Situation der beiden Liebenden, jede Menge frischer Wortwitz und ein gutes Gespür für die gegenwärtige Popkultur setzen "Verrückt nach dir" angenehm von den typischen Mauerblümchen-verliebt-sich-in-ihren-Chef-Filmchen ab. Inszenatorisch arbeitet Burstein dann aber doch recht konventionell mit kommentierender Musik, üblichen New-York-City-Bildern und anderen standardisierten Erzählweisen.

Dennoch: Wenn Erin und Garrett, jeder in seiner Stadt, über ihre Laptops gebeugt sitzen und herzlich über das Youtube-Video mit dem niesenden Panda lachen, der Funke beim Telefonsex nicht so richtig überspringen will oder das Paar feststellt, dass die Flugtickets in der Weihnachtszeit eben doch noch ziemlich teuer sind – dann fühlt man sich als Zuschauer/in ernst genommen, gut unterhalten und bisweilen sogar unmittelbar angesprochen. Und wer hat eigentlich je behauptet, dass eine schmutzige SMS weniger romantisch sei als ein handgeschriebener Liebesbrief?
Christian Horn

(Going the Distance) USA 2010, Regie: Nanette Burstein, Buch: Geoff LaTulippe, mit Drew Barrymore, Justin Long, Charlie Day, Jason Sudeikis, Jim Gaffigan u. a., 103 min, Kinostart: 2. September 2010 bei Warner Bros.

Foto: Verleih



http://going-the-distance.warnerbros.com
Website zum Film (englisch)
www.verruecktnachdir-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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