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Ein so schönes Paar wie Luna und Amar hat man lange nicht gesehen. Sie lieben sich, benutzen gleichzeitig und ohne Scham das Badezimmer, und im Bett lieben sie sich sogar noch ein bisschen mehr. Alles läuft super im Leben der Stewardess und ihres Fluglotsen, die schon beruflich so gut zusammenpassen und mit der globalisierten Moderne bestens zurechtkommen. Dass der Ex-Soldat Amar sein Kriegstrauma mit Alkohol bekämpft, bleibt der Ehefrau verborgen. Ein zufälliges Zusammentreffen mit einem Kriegskameraden allerdings hat drastische Folgen: Amar konvertiert zum Wahhabismus, einer besonders radikalen Form des Islam. Er geht nun zur Moschee, lässt sich einen Bart wachsen, der fürchterlich piekt, und im Schlafzimmer gilt nun: Kein Sex vor der – muslimisch geschlossenen – Ehe. Was tun, wenn sich ein geliebter Mensch so verändert, dass man ihn nicht wieder erkennt?
Regisseurin Jasmila Žbanić gibt sich durchaus Mühe, Amars Sinneswandel zu verstehen, wenn auch aus der Perspektive Lunas. Auf Amars Bitte folgt sie ihm in ein idyllisch gelegenes islamisches Camp, wo Männer und Frauen streng getrennt leben. Die Frauen sind von Kopf bis Fuß verschleiert, jeder Körperkontakt zwischen den Geschlechtern ist verboten. Dafür wird viel gebetet. Hier hat Amar die Gemeinschaft und die Struktur gefunden, die seinem Leben fehlten. Luna, selbst Muslimin, hat jedoch keine Absicht einen Schleier zu tragen. Was sie sieht, stößt sie ab. Amars gottgefälliges Leben steht gegen alles, was ihr wichtig ist: Liebe, Zärtlichkeit, Spaß. Und so entschließt sie sich, um ihre Liebe zu kämpfen, aber nicht zum Preis der Selbstaufgabe.
In "Zwischen uns das Paradies" ergründet die Bosnierin Žbanić wie schon in "Esmas Geheimnis" (2005) die Frage des Weiterlebens nach dem Krieg. Durchaus spekulativ und vielleicht zu offensichtlich widmet sie sich dabei einem Thema, das auch westliche Medien gerne ausschlachten. In Bosnien allerdings, wo 40 Prozent Muslime leben, von denen viele die Radikalisierung ihrer Nachbarn mit Sorge betrachten, ist der Islamismus tägliche Realität. Es ist Žbanićs gutes Recht, zu dieser Entwicklung eindeutig Stellung zu beziehen. Sie tut das mit der Kamera, die ihren Protagonisten/innen sehr nah kommt und vor allem Lunas gänzlich unverschleierten, makellos schönen Körper wie einen zu schützenden Fetisch behandelt. Man versteht Amar nicht besser durch diese Bilder, aber es gehört zum Wesen von Religionen, dass sie sich einfacher Erklärungen entziehen.
Philipp Bühler
(Na putu) Bosnien-Herzegowina, Österreich, Deutschland, Kroatien 2009, Buch & Regie: Jasmila Žbanić, mit Zrinka Cvitešić, Leon Lučev, Ermin Bravo, Mirjana Karanović, Marija Köhn, Nina Violić u. a., DF/OmU, 100 min, Kinostart: 2. September 2010 bei Neue Visionen
Foto: Verleih