Der kleine Nick

Der Duft des Klassenzimmers

Kinostart: 26.8.2010 | Marguerite Seidel | Artikel drucken
In Frankreich kennt ihn jeder und auch in Deutschland ist er längst kein Fremder mehr: "Der kleine Nick". In den unzähligen lustigen Geschichten von "Asterix"-Schöpfer René Goscinny treibt der pfiffige Schuljunge sein Unwesen gegen die Widrigkeiten des Alltags, stets von Illustrator Sempé in herrlich treffenden Linienzeichnungen auf den Punkt gebracht. Ob jung oder alt, wer sich in den unbeschwerten Kosmos des kleinen Nick hineinliest, fühlt sich sofort an eigene Kindheitserlebnisse erinnert: ans Spielen, Wetteifern und Zanken mit den Freunden, an die Seltsamkeit der Erwachsenen, an den Duft von Klassenzimmern und der großen Pause. 1959 erschien die erste "Nick"-Geschichte in einer französischen Regionalzeitung. Aus der Mode ist der ewige Schüler seither nie gekommen, so zeitlos und schön sind seine Erlebnisse.

Zum 50. Geburtstag des kleinen Nick hat der französische Regisseur Laurent Tirard Goscinnys Erzählungen und Sempés schwarzweiße Strichmännchen zu einem bunten Spielfilm ausschraffiert. Bunt ist hier wortwörtlich zu verstehen, denn in Tirards Version lebt Nick in einer Fünziger-Jahre-Welt in Knallfarben. Das ist nicht nur der Entstehungszeit der Figur geschuldet, sondern auch eine Verbeugung vor dem Filmkomiker Jacques Tati, der zu dieser Zeit die Geometrisierung von Architektur und Design mit zärtlich-anarchischem Humor auf die Schippe nahm.
Zwischen Resopal-Zuhause, hölzerner Schulbank und verwildertem Brachgelände besteht der kleine Nick allerhand Abenteuer aus der Buchvorlage, die sich um Kindergeburtstage, chaotische Klassenfotos und Jungsbanden drehen. Zusammengehalten wird das alles von einer Hauptgeschichte: Das Einzelkind Nick bildet sich ein, bald einen Bruder zu bekommen, und versucht nun dieses "Übel" abzuwenden. Obwohl von der Familienausflug-Sabotage bis zur Zaubertrankbrauerei komische Situationen daraus entstehen, ist dieser Erzählstrang nach 90 Minuten Film jedoch reichlich überdehnt.

Weitaus mehr Spaß bereiten die Details: die Kreischanfälle von Streber Adalbert, die lange Leitung vom Klassenletzten Chlodwig oder der völlig schief singende Chor, augenzwinkernd dirigiert von "Monsieur Mathieu"-Schauspieler Gérard Jugnot. Nur Maxime Godart als Nick bleibt trotz roten Pullunders ein wenig blass – er lässt, wie die ausgeleierte Rahmenhandlung – einfach den genauen Strich der Vorlage vermissen.
Marguerite Seidel

(Le Petit Nicolas) Frankreich 2009, Regie: Laurent Tirard, Buch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron nach den Büchern von Jean-Jacques Sempé und René Goscinny, mit Maxime Godart, Kad Merad, Valérie Lemercier, Sandrine Kiberlaine, Michel Duchaussoy, 91 Min, Kinostart: 26. August 2010 bei Central

Foto: Verleih


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Website zum Film
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
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