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Maren und Robert, Alleinerziehende um die vierzig, lernen sich via Internet kennen. Gleich bei ihrem ersten Treffen an einer Autobahnraststätte landen sie miteinander im Motelbett. Sie fackeln auch in der Folge nicht lange und ziehen kurzerhand zusammen. Eine moderne Beziehung soll es werden, eine, in der keiner den anderen in seiner Freiheit einschränkt, eine ohne allzu große Verpflichtungen.
Eines Tages aber überrascht Maren Roberts Sohn Daniel im Bett ihrer Tochter Mira und damit beginnen die Probleme. Denn die beiden Kinder haben sich natürlich auf die altmodische Teenager-Art ineinander verliebt, bedingungslos romantisch und für immer und ewig, und sie schmieden furchtbar naive Pläne vom einfachen Leben auf dem Land. Pläne, die die Hoffnungen gefährden, die ihre Erziehungsberechtigten für sie hegen. Darüber hinaus wirkt die Schwärmerei der beiden Jugendlichen wie ein ferner Spiegel, in den die Erwachsenen nicht blicken wollen, zu unbequem sind die Fragen, die dieser Blick ihnen zurückwirft. Schon geht es rund zwischen Eltern und Kindern, zwischen Partnern und Geliebten.
In Franz Müllers "Die Liebe der Kinder" unternimmt die alte Himmelsmacht eine rasante Tour durch die vielfältigen und verwirrenden Designs heutiger Beziehungshöllen. Dabei werden im Kontrast unterschiedlicher Liebeskonzepte verschiedener Generationen die jeweiligen Probleme sichtbar: Leidenschaft und Unbedingtheit stehen Abgeklärtheit und Pragmatik gegenüber. Die Erarbeitung von Vertrauen und Verantwortung wird von Rückschlägen und unerfreulichen Erfahrungen erschwert. Gemeinsames Glück spießt sich mit der Befriedigung egoistischer Interessen. Die Fehlerquellen ähneln sich, der Umgang mit ihnen nicht.
Es gelingt Müllers formal eher unspektakulärer, erzählerisch dafür umso dichterer Analyse einer komplexen und viel besungenen Emotion, immer nah an den Protagonisten/innen und konkret in der Situation zu bleiben und dabei doch allgemeingültig, ja grundsätzlich – und sogar immer mal wieder ziemlich weise – zu wirken. Und während für die einen die erste große Liebe naturgemäß mit der ersten großen Ernüchterung endet, entsteht für die anderen aus der Ernüchterung vielleicht sogar so etwas wie Liebe.
Alexandra Seitz
Die Liebe der Kinder, Deutschland 2009, Buch & Regie: Franz Müller, mit Marie-Lou Sellem, Alex Brendemühl, Katharina Derr, Tim Hoffmann, Michael Sideris u. a., 86 min, Kinostart: 26.8.2010 bei 2pilots
Foto: Verleih
www.dieliebederkinder.deWebsite zum Film
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