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Enter the Void

Losgelöst

Kinostart: 26.8.2010 | Sascha Rettig | Artikel drucken

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Gaspar Noé bemüht sich bislang mit jedem seiner Filme, den Ruf des radikalen Enfant Terrible nicht zu verlieren. Denn ohne Provokation und Skandal geht bei dem Argentinier ganz offensichtlich nichts: Bereits sein Erstling "Menschenfeind" über einen aus dem Knast entlassenen, gesellschaftshassenden Metzger war ein filmischer Schlag vor den Kopf, hart und nachdröhnend. Der darauf folgende, rückwärts erzählte "Irreversible" legte dann noch einmal kräftig nach und es darauf an, mit intensiven Gewaltszenen und einer ausgiebig gezeigten Vergewaltigung mit Monica Bellucci als Opfer zu schockieren. Dermaßen drastisch geht Noé mit "Enter the Void" nun nicht vor. Seine sexuellen Kinogrenzübertretungen hat er diesmal deutlich zurückhaltender eingestreut – aber es gibt sie auch hier.

Inspiriert vom Tibetanischen Totenbuch deutet der Titel auf das Zwischenstadium hin, durch das die Seele eines Menschen treibt, der gerade gestorben ist. In diesem Fall handelt es sich um die Seele eines jungen amerikanischen Dealers namens Oscar (Nathaniel Brown), der mit seiner Schwester in Tokio lebt. Nach wenigen Minuten liegt er allerdings plötzlich tot in der Toilette des Clubs "The Void". Bei einem missglückten Deal wurde er von der Polizei erschossen und seine Seele löst sich aus seinem Körper.

Von diesem Moment an ergeht sich "Enter the Void" in endlosen, szenischen Repetitionen aus der Perspektive des Toten: Über zwei Stunden kreist die Seele über der Welt der Lebenden in Tokio, zieht immer wieder ihre Schleifen über die Dächer, durch Stripclubs und Wohnungen und bewegt sich bis zur Wiedergeburt zwischen der Gegenwart und den Erinnerungen an die Vergangenheit. Zwar entwickelt "Enter the Void" durch Noés Inszenierung durchaus eine gewisse halluzinatorische Bildkraft und Trippigkeit. Doch selbst die endoskopische Beobachtung eines Geschlechtsverkehrs aus der Gebärmutterperspektive gegen Ende kann das Abschweifen und Wegdämmern beim Zuschauen nicht ganz verhindern.  
Sascha Rettig

(Enter the Void) Frankreich, Deutschland, Italien 2009, Buch & Regie: Gaspar Noé, mit Nathaniel Brown, Paz de la Huerta, Cyril Roy, Emily Alyn Lind, Jesse Kuhn u. a., ab 18, 162 min, Kinostart: 26.8.2010 bei Wild Bunch/Capelight

Foto: Verleih


www.enterthevoid-film.de
Website zum Film
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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