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Ruhr

Sieben Orte

Kinostart: 26.8.2010 | Michael Brake | Artikel drucken

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Man muss hellwach sein. Sonst funktioniert es nicht. Denn zehn Minuten auf eine Baumgruppe in Nähe des Düsseldorfer Flughafens zu schauen, kann seeehr müde machen, selbst wenn hin und wieder ein Flugzeug vorbeifliegt.

James Benning hat sich als hyperspezialisierter Nischenfilmer einen Namen gemacht. Seine Filme tragen Namen wie "13 Lakes", "Ten Skies" oder "Los" und zeigen: 13 Seen, 10 Himmel und Los Angeles, stets in langen, unbewegten Einstellungen, meistens menschenleer. Das sind visuelle Erfahrungen, wie man sie sonst von Videoinstallationen in Kunstausstellungen kennt – mit dem Unterschied, dass man dort meist nur kurz interessiert stehen bleibt, während die Bilder in der Rezeptionssituation des Kinosaals zwei Stunden ungeteilte Aufmerksamkeit einfordern und erst so ihre Wirkung entfalten können. Mit Betonung auf können, denn das erfordert Konzentration und intellektuelles Einfühlungsvermögen, der Kopf muss erst aus dem wesentlich schnelleren Alltagsrhythmus runterschalten und Beobachtungen zulassen, Assoziationen gar, in "Ruhr" geht das bis hin zu einem 9/11-Verweis. Müdigkeit ist dabei eher hinderlich.

Für seinen ersten Film außerhalb der USA destillierte Benning aus mehreren Reisen durch das Ruhrgebiet sieben Orte heraus, die für ihn wohl so etwas wie die Essenz der Region darstellen. So bilden ein Autobahntunnel, ein Eisenwalzwerk, die Säuberung von Richard Serras Skulptur "Bramme für das Ruhrgebiet", die besagte Baumgruppe, eine Nebenstraße in Essen und der Innenraum einer Duisburger Moschee in jeweils rund zehnminütigen Szenen den ersten Part. Manchmal passiert wenig und manchmal noch ein bisschen weniger – für die einen ist das Publikumsverarschung, für die anderen "eine Matrix an Prozessen, die in ihren spezifischen Rhythmen die Zeit in Abschnitte einteilen und damit Geschichte, Wandel und Veränderung stets mit der narrativen Ebene verflechten" (Zitat Presseheft).

Erstmals drehte Benning dabei auf HD. Während die 16-Millimeter-Filmrollen nur elf Minuten lang sind, lässt sich auf digitalem Material auch die einstündige Einstellung des Kühlturms einer Kokserei realisieren, die den zweiten Teil von "Ruhr" darstellt. Etwa alle zehn Minuten entladen sich beeindruckende Dampfmassen aus allen Ritzen des Gebäudes, danach kehrt wieder Ruhe ein. Dabei wurde diese Szene mit kleinen Kniffen von anderthalb Stunden Originaldrehzeit auf eine Stunde gerafft. Es ist eben keine Dokumentation, die hier vorliegt, sondern Kunst.
Michael Brake

Ruhr, Dokumentarfilm, Deutschland 2009, Buch & Regie: James Benning, 120 min, Kinostart: 26. August 2010 bei Arsenal Berlin

Foto: Verleih


www.arsenal-berlin.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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